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Fünf Hexen treiben Ulrich Matthes und Maren Eggert in die Enge: Macbeth am Deutschen Theater Berlin

Der Trailer weckte Vorfreude auf einen dichten, packenden Theaterabend. Und so beginnen auch die ersten Szenen. Ganz hinten öffnet sich eine kleine Luke im Holztrichter, fünf Körper krabbeln langsam heraus: ineinander verknäuelt, in einer das gesamte Stück anhaltenden Mischung aus Zärtlichkeit und Aggression, arbeiten sich die fünf fast nackten Männer an die Bühnenrampe. Aus Shakespeares berühmtem Hexen-Trio wird hier ein Quintett (Elias Arens, Felix Goeser, Thorsten Hierse, Matthias Neukirch und Timo Weisschnur, seit dieser Spielzeit neu im Ensemble).

Den fünf Hexen gehören die stärksten Szenen des Abends: wie sie sich anschleichen, um das Ehepaar Macbeth (Ulrich Matthes und Maren Eggert) herumschlängeln, ihre Machtphantasien anstacheln und ihnen einflüstern, nach der Krone zu greifen, bleibt in Erinnerung. Auch nachdem Macbeth den Thron bestiegen hat, lassen die Hexen nicht von ihm ab. Sie werden zu seinen inneren Dämonen, plagen ihn mit Ängsten vor dem sozialen Abstieg, vor dem Machtverlust und vor seiner Ermordung.

Leider bleiben diese gelungenen Szenen eher die Ausnahme. Über weite Strecken der mehr als zwei Stunden wird weniger gespielt, sondern vor allem deklamiert. Die Sätze aus der romantischen Shakespeare-Übersetzung von Dorothea Tieck aus dem Jahr 1833 stehen schroff und scharfkantig im Raum. Für Schauspieler und das Publikum eine “freudlose Arbeit” (Ulrich Seidler für Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau) und “Anstrengung” (Katrin Bettina Müller für die taz).

Tilmann Köhlers Macbeth schafft das Kunststück, in einem der blutrünstigsten Dramen der Weltliteratur ganz ohne Theater-Kunstblut auszukommen. Wenn die Hexen nicht gewesen wären, wäre aber auch die gesamte Inszenierung blutleer geblieben.

Macbeth von William Shakespeare. – Regie: Tilmann Köhler. – Ca. 2 h 15 Minuten ohne Pause. – Mit: Ulrich Matthes, Maren Eggert, Matthias Neukirch, Thorsten Hierse, Felix Goeser, Elias Arens, Timo Weisschnur. – Premiere am Deutschen Theater Berlin: 19. März 2015