Archiv der Kategorie: Konzerte

Samuel Finzis „A night at the movies“

Die Bar des Deutschen Theaters war sehr gut besucht, als Samuel Finzi einen Streifzug durch populäre Filme, meist aus Hollywood, präsentierte. Knapp eine Stunde lang hangelte er sich entlang der Texthäppchen aus Woody Allens Stadtneurotiker, Stanley Kubricks 2001 – Odyssee durch den Weltraum oder Oliver Stones Wall Street.

Begleitet von seinen beiden Musikern Georgi Donchev und Daniel Regenberg streut er einige Soundbites in seinen Liederabend A night at the movies ein, und tänzelt in skurrilen Posen über die kleine, improvisiert wirkende Bühne.

Ein Filmquiz zum Mitraten, aber ganz ohne Auflösung am Ende. Auch sonst blieb der Spannungsbogen dieses Experiments eher flach.

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Fußballfieber mit Simon Rattle

Sport und Musik verbinden. Sonntagabend und noch eine gute Stunde bis zum Anpfiff des ersten Gruppenspiels der deutschen Nationalelf; oder noch zehn Minuten bevor Dirigent Sir Simon Rattle den Taktstock heben und so den Anpfiff zum aktuellen Bildungstanzprojekt „Zukunft@BPhil“ der Berliner Philharmoniker geben wird. Vor der Arena, einer für Kult und Kultur umgenutzten Montagehalle für Omnibusse an der Spree, mischen sich das Berliner Konzert- und Fußballpublikum. Fahnengeschmückte Autos stehen für die Korsofahren und Hupkonzerte bereit, die Großleinwand für das public viewing ist gleich nebenan auf dem gleichen Gelände aufgebaut.

In Fußballfantracht zu den Philharmonikern

Umso erstaunlicher, dass so viele Menschen im Trikot schließlich auf der Konzerttribüne sitzen, George Gershwins Groove und Wynton Marsalis’ Swing aufnehmen und nicht die Torschützen in Weiß, sondern die bunt verkleideten Schulkinder bejubeln, die unten auf der Bühne zu Orchesterklängen der Philharmoniker und Jazzer tanzen. Von Tanzstudenten in expressionistischer Schiedsrichtertracht wird der bunte Haufen über das Feld gejagt, mit Pfiffen und roten Fähnchen. Dynamischer und abwechslungsreicher als diese Choreografie von Rhys Martin kann auch Deutschland Australien nicht besiegen: Ein humorvoller Kommentar zur WM im Medium der Kunst, zu einer musikalischen Stimmungsmache, wie sie in Südafrika kaum besser sein kann.

Nach dem Konzert tobt der Applaus. Nur die Zuschauer im Deutschlanddress haben keine Zeit zum Klatschen, bis die jungen Tänzer und die erfahrenen Musiker das Feld räumen. Beim Verlassen der Arena steht es 1A um Musik und Kids und 2:0 für Deutschland und den Fußball. Von Nona Schulte-Römer

MoZuluArt: Crossover in der Bar jeder Vernunft

Eine sehr ungewöhnliche Kombination ist diese Woche im Kleinkunst-Zelt Bar jeder Vernunft zu erleben: Die Musiker von MoZuluArt gastieren bei Ihrer Berlin-Premiere mit einer wilden Crossover-Mischung aus traditionellen afrikanischen Klängen und Mozarts klassischen Ohrwürmern.

Vor einigen Jahren fanden in Wien die drei Sänger Vusa Mkhaya Ndlovu, Blessings Nqo Nkomo und Dumisisani Ramadu Moyo, die ursprünglich aus Simbabwe stammen, und der Pianist Roland Guggenbichler zusammen, die eine typisch österreichisch-afrikanische Melange aus dem Groove der Gospels und des Swings sowie Klaviermusik Mozarts auf die Bühne bringen. An diesem Abend bekamen sie noch Verstärkung vom Ambassade Streichquartett, das sich aus Musikern der Wiener Symphoniker zusammensetzt, die sich dezent im Hintergrund hielten und sichtlich amüsiert über die temperamentvollen Tanz- und Gesangseinlagen der drei Frontmänner waren.

Dem Publikum wird an diesem Abend einige interkulturelle Kompetenz abverlangt: Bei Mbube, das unter seinem englischen Titel The Lion sleeps tonight zum Welthit wurde und bereits mehr als 150mal gecovert wurde, können noch die meisten Zuschauer den Refrain problemlos mitsingen. Heikler wird es bei den Lektionen auf Xhosa, Zulu und Ndebele mit den charakteristischen Schnalz- und Klicklauten. 

Trotzdem war das Publikum von der Spielfreude der Musiker sehr angetan und forderte laut trampelnd mehrere Zugaben.

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Chumbawamba: Politischer Punk-Folk-Pop in der Kulturbrauerei

Zum Abschluss ihrer neuen Tour gastierte die britische Band Chumbawamba im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei: Aus vielen Moderationen zwischen den Songs klang deutlich durch, wo die Wurzeln dieser Musiker liegen. Sie haben sich 1982 in Leeds gegründet, als die Punkbewegung der späten 1970er Jahre ihren Höhepunkt gerade überschritten hatte, aber Maggie Thatcher mit ihrem harten Sanierungs- und Privatisierungskurs als Eiserne Lady die Insel polarisierte.

Der musikalische Stil hat sich mittlerweile gewandelt: Statt peitschender Drei-Akkord-Klänge, wie sie typischerweise mit dem Begriff Punk assoziiert werden, setzen die Musiker im reiferen Alter auf sehr melodiöse Klangfarben, die sich häufig vom Folk, vom Pop und traditionellen Liedern der Arbeiterbewegung inspirieren lassen.

An ihren politischen Positionen hat sich seitdem nichts geändert: Maggie Thatcher ist nach wie vor ein identitätsstiftendes Feindbild für die Band. Jude Abbott bezeichnet die betagte Dame in erstaunlich gutem Deutsch als "Hexe" und widmet ihr ein ironisches, ins Makabre übergehendes Abschiedslied Goodbye.

Etwas mehr mit dem Florett fechten Chumbawamba gegen Metallica-Frontmann James Hetfield: Im Gegensatz zu allen anderen betroffenen Künstlern erhob er keinen Einspruch dagegen, dass während der Bush-Ära in den Gefängnissen vom Irak bis nach Guantánamo bei Verhören oft stundenlang die Musik dieser Gruppen abgespielt wurde. Er meinte in einem Interview sinngemäß, dass er nichts dagegen habe, auf diese Weise seinen Beitrag zur Demokratisierung zu leisten. Chumbawamba phantasieren in ihrer Replik von einer fiktiven Verhörsituation, in der er mit ihrem größten Hit Tubthumping in Endlosschleife beschallt wird, der vor allem während der Fußball-WM 1998 durch die Stadien hallte.

Dieses James Hetfield gewidmete Stück zeigt exemplarisch den Stil, für den Chumbawamba geschätzt wird: Auf den ersten Anschein harmlos wirkende, wohlklingende Melodien transportieren deutliche Botschaften, die nicht mit Kritik am politischen Gegner sparen. Berühmt ist die Band vor allem für ihren stetigen Einsatz gegen Neonazis: Angesichts der damaligen Anschlagswelle texteten sie Enough is enough.

Abgerundet wurde der Abend durch einige hierzulande unbekannte englische Arbeiterlieder aus den Kämpfen des 19. Jahrhunderts oder dem nagelneuen Add me, worin die fünf Musiker die Gepflogenheiten Sozialer Netzwerke des Web 2.0 und das Phänomen virtueller "Freundschaften" mit treffendem Witz  auseinander nehmen.

Die Chumbawamba-Webseite