Archiv der Kategorie: Filmkritik

Dokumentartheater „El Dschihad“, talentierte Ernst Busch-Schüler in „Zwei Herren aus Verona“, „45 Years“-Ehekrise mit Charlotte Rampling und Auftakt des 15. Literaturfestivals

„El Dschihad“: Dokumentartheater ohne klaren Zugriff

Das Projekt von Claudia Basrawi und ihrem Team klingt sehr interessant: zur Spielzeiteröffnung des Ballhaus Naunynstraße wollten sie in einem Dokumentartheaterabend dem facettenreichen Begriff El Dschihad auf den Grund gehen. Ein naheliegender Gedanke in einem Jahr, das mit dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo begann, in dem Meldungen über Geiselnahmen oder Zerstörungen von Kunstschätzen durch den IS einen Stammplatz in den Nachrichten haben und in dem ein Ende des syrischen Bürgerkriegs und des Leids der Flüchtlinge noch längst nicht abzusehen ist.

Dem El Dschihad-Abend ist auch einige Rechercherabeit anzumerken: aus den Archiven wurde beispielsweise ein Plan aus der Ära des deutschen Kaiserreichs ausgegraben. Max von Oppenheim wollte muslimische Kriegsgefangene in einem sogenannten „Halbmondlager“ in Wünsdorf bei Berlin mit islamistischen Ideen aufwiegeln und „die ganze mohemmadanische Welt zum wilden Aufstand entflammen“. Ausgerechnet dort, wo nur noch die Überreste einer hölzernen Moschee an die Instrumentalisierungsversuche aus dem Kaiserreich erinnern, soll demnächst ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge entstehen.

Es gäbe also genügend Ansatzpunkte für einen anregenden, lehrreichen Theaterabend. Dass das Projekt nicht gelungen ist, liegt vor allem daran, dass Claudia Basrawi, die den Abend mit einem autobiographischen Monolog eröffnet, und ihre Mitspieler Elmira Bahrami, Erdinç Güler, Mario Mentrup und Rahel Savoldelli ihr Material nicht in den Griff bekamen.

Mit gespielter Naivität stellen sie sich gegenseitig Fragen, spielen Experten-Interviews nach und springen durch die Jahrzehnte. Sie bemühen sich sehr darum, das ernste Thema möglichst komisch zu präsentieren, verheddern sich aber in einer Aneinanderreihung kleiner Schnipsel. Der Erkenntnisgewinn blieb deshalb leider gering. Schade, dieser Stoff hätte wesentlich mehr hergegeben.

„Zwei Herren aus Verona“: Ernst Busch-Hochschüler holen aus Shakespeares Frühwerk das Beste heraus

Eine schlechtere Ausgangssituation hatten die sieben Studentinnen und Studenten der HfS Ernst Busch, die unter der Regie von Veit Schubert Zwei Herren aus Verona im Pavillon des Berliner Ensemble einstudierten. Diese Komödie gehört zum Frühwerk von William Shakespeare und ist vermutlich 1590/91 entstanden. Dass dieses Stück im Gegensatz zu Othello, Hamlet oder Romeo und Julia kaum auf den Spielplänen steht, hat seine Gründe: viele Themen und Motive werden angerissen, der Schluss wirkt unglaubwürdig. Die Dramaturgin Anika Bárdos urteilte bei der Einführung im Gartenhaus, dass es sich um einen Text voller Anfängerfehler handele, weil Shakespeare zu viel gewollt habe.

Dennoch schaffen es die jungen Talente, aus diesem Stoff einen wunderbaren Theaterabend zu machen. Die Übersetzung von Frank Günther wurde auf eine knapp zweistündige Fassung klug gekürzt, ihr frischer Ton und die schnellen Rollenwechsel sorgen für eine komischen, schwungvolle Inszenierung.

Aus dem sehr guten Ensemble ragen Leonard Scheicher und Felix Strobel als Valentin und Proteus heraus: der beste Freund wird im Streit um die begehrte Frau zum Intriganten. Zwischen all den Verwicklungen um nicht abgeschickte Briefe, chancenlose Nebenbuhler, sächselnde, aus Klappen im Boden auftauchende Waldbewohner und kauzige Kammerdiener bleibt genug Raum für eine feine Charakterisierung der Hauptfiguren. Zu dem gelungenen Theaterabend trägt auch die schöne musikalische Untermalung bei. Schon bevor sich der Vorhang hebt, gibt Felix Strobel mit der Gitarre eine Kostprobe seines Könnens.

Die Zwei Herren aus Verona sind seit ihrer Premiere im Dezember 2014 ein Publikumserfolg auf der kleinen Bühne des Berliner Ensembles und bieten die Chance, vielversprechende Talente bei ihren ersten Karriereschritten zu erleben.

Kino-Starts von zwei Berlinale-Filmen: „45 Years“ und „Knight of Cups“

Außerdem starteten in dieser Woche zwei Filme in den Kinos, die am Eröffnungswochenende der Berlinale im Februar 2015 liefen.

Vor Knight of Cups kann ich leider nur warnen. Was kann denn schiefgehen, wenn Regie-Altmeister Terrence Malick, der für Thin red line 1998 den Goldenen Bären verdient hat, mit Stars wie Christian Bale, Cate Blanchett und Natalie Portman arbeitet?

Leider fast alles, wie die sich stark lichtenden Reihen bei der Pressevorführung von Knight of Cups am Sonntag Mittag im Berlinale-Palast dokumentierten. So viel Publikumsschwund war selten zu erleben…

Wesentlich besser gefiel mir 45 Years, ein Kammerspiel über ein alterndes Ehepaar. Ein Brief aus der Schweiz stellt plötzlich vieles in Frage: in einer Gletscherspalte wurde die Leiche der jungen Frau gefunden, mit der Geoff (Tom Courtenay) damals zusammen war, bis sie bei einer gemeinsamen Bergtour verunglückte. Seine Kate (Charlotte Rampling) kannte er damals noch nicht, mit ihr ist er nun jahrzehntelang – wie es scheint – recht glücklich verheiratet. Am nächsten Wochenende soll eine große Party mit vielen Freunden aus dem Dorf zum 45. Hochzeitstag stattfinden.

„Plötzlich ist der Raum voller Gespenster“, brachte David Constantine es in der Kurzgeschichte, die diesem Fim zugrundeliegt, auf den Punkt. Kate grübelt: Hätte Geoff sie auch geheiratet, wenn dieses Unglück nicht passiert wäre? Zweifel durchbohren die Routine des Alltags und stören die Feier-Vorbereitungen.

Rampling und Courtenay spielen dies glänzend, sehr minimalistisch. Es ist ein Kino-Erlebnis, die vielen kleinen fragenden, skeptischen, die Vergangenheit abtastenden Blicke und Gesten auf sich wirken zu lassen. Die Berlinale-Jury zeichnete das Duo mit den Silbernen Bären für die Besten Darsteller aus.
Der Film (Regie und Drehbuch: Andrew Haigh) kippt allerdings vor allem gegen Ende zu sehr ins Rührselige.

Trailer zu 45 Years

15. internationales Literaturfestival Berlin mit Javier Marías, Ha Jin, Michael Cunningham, Christian Brückner und Borussia Dortmund

Der spanische Bestsellerautor Javier Marías hielt nicht nur die Eröffnungsrede des 15. Literaturfestivals, sondern stellte dem Publikum auch einen kleinen Auszug aus seinem Roman „So fängt das Schlimme an“ vor, der am 24. September bei S. Fischer erscheinen soll.

Die Handlung spielt in Madrid Anfang der 1980er. Die Gesellschaft ist nach Francos Tod im Umbruch, das Scheidungsrecht wird eingeführt: ein Lichtblick für die unglückliche Ehe von Muriel und Eduardo. In ihr Leben tritt ein Regisseur, der über dem zweiten Auge eine Klappe trägt.

Dem Gespräch von Javier Marías mit Paul Ingendaay war zu entnehmen, dass es ihm vor allem wieder um die Themen Täuschung und Betrug geht. Ob daraus ein ähnlicher Erfolg wie Mein Herz so weiß (1992 im Original, 1996 auf Deutsch) wird, muss sich zeigen.

Auf der Gartenbühne des Festspielhauses in Wilmersdorf stellte Ha Jin seinen Roman Verraten vor: der Autor wurde im Norden Chinas geboren, lebt aber seit 1985 in den USA und lehrt englische Literaturwissenschaft. Über seinen neuen Roman, der im Arche-Verlag (Zürich) erschien, gehen die Meinungen deutlich auseinander.

Frank Arnold, der eine längere Passage aus der Übersetzung las, hielt anschließend ein flammendes Plädoyer für dieses Buch: Ha Jin verstehe es auf geradezu geniale Art, die chinesische Geschichte der vergangenen Jahrzehnte mit der Erzählung über eine Familie zu verknüpfen. Verraten handelt von einem enttarnten Doppelagenten, der Suizid beging, und von der Identitätssuche seiner Tochter. Ganz anderer Meinung war die NZZ, für einen Thriller sei der Plot viel zu spannungsarm. Aber auch als Ersatz für ein Sachbuch tauge er kaum, da er nur bekannte Fakten wiederhole.

Ein Höhepunkt der ersten Festival-Tage war der Auftritt von Christian Brückner, der Synchronstimme von Robert de Niro. Er las eine Schlüsselstelle aus Die Schneekönigin von Michael Cunningham über einen Mann, der durch den Central Park irrt, nachdem er von seinem Lover per SMS den Laufpass bekommen hat. Diese Passage machte neugierig auf einen Roman, der jedoch nach Ansicht von FAZ und WELT schlicht überladen sei und sich in zu vielen Motiven verzettele.

Im Gespräch mit Sigrid Löffler dekliniert Michael Cunningham, der Creative Writing in New York lehrt, die vielfältigen Themen seines neuen Romans durch: er beschreibt das Kreativmilieu seiner Heimatmetropole, das sich mit prekären Jobs durchs Leben hangelt, schlägt den Bogen von der depressiven Stimmung an der liberalen Ostküste bei George W. Bushs Wiederwahl 2004 zu Obamas „Yes we can“-Wahlkampf 2008. Private Dramen von Krebs bis Trennung und Märchenmotive, die an Hans Christian Andersen anknüpfen, reichern den überbordenden Plot an.

Kann Michael Cunningham damit an seine beiden größten Erfolge The Hours und Ein Zuhause am Ende der Welt, die beide auch verfilmt wurden (2002 mit Meryl Streep und Julianne Moore bzw. 2004 mit Colin Farrell), anknüpfen?

Eine positive Überraschung der ersten Festival-Tage war der Auftritt der Autoren-Nationalmannschaft mit ihrem Sammelband Man muss ein Spiel auch lesen können. Bei jedem Heimspiel von Borussia Dortmund war in der vergangenen Bundesliga-Saison einer der Schriftsteller zu Gast: einige seit Jahren eingefleischte Borussen-Fans, andere dagegen Anhänger des FC Bayern. Die Mutigsten trauten sich in die „Wand“. Nach dem Spieltag erschienen ihre meist lesenswerten Texte (Glossen, Kurzgeschichten, Erlebnisberichte) auf der Webseite des Vereins und nun als Buch. Die Autoren-Nationalmannschaft wurde bei ihrem Auftritt auf der Großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele vom Schauspieler Joachim Król verstärkt, der sich in einem amüsanten Text an die Fahrt in das damals noch geteilte Berlin zum DFB-Pokalfinale 1989 erinnerte.

Da weniger als 48 Stunden später schon das nächste Bundesliga-Spiel anstand, tauchte der versprochene Überraschungsgast aus dem Team von Borussia Dortmund nicht auf. Als Entschädigung zog Monika Maron als Glücksfee die Gewinner von 3×2 Tickets.

„True Story“: James Franco contra Jonah Hill, dennoch schleppt sich der Film dahin

Wenn James Franco seine Augen funkeln und sein Können aufblitzen lässt, sind das die raren Momente in Rupert Goolds Film True Story, in denen man denkt: Ja, dieser Film hätte gelingen können! Er hat vieles, was ein guter Psychothriller braucht: 1.) starke Hauptdarsteller – Francos Gegenpart ist Jonah Hill, der spätestens seit seiner Oscar-Nominierung für die Nebenrolle als Winkeladvokat in Scorseses Wolf of Wall Street zu den vielversprechenden Talenten in Hollywood zählt. 2.) ein Plot, der nicht nur auf einer wahren Begebenheit beruht, sondern geradezu nach einer Verfilmung schreit.

Was hätte dieser Plot nicht alles zu bieten: einen rätselhaften Mann unter Mordverdacht, der seine ganze Familie umgebracht hat (Franco als Christian Longo), einen ehemaligen Starreporter, der mit den Grundsätzen journalistischer Ethik in Konflikt kam und mitten in einer Sinnkrise steckt (Hill als New York Times-Journalist Michael Finkel), eine gestohlene Identität. Das wären Steilvorlagen für ein raffiniertes Katz- und Maus-Spiel.

Was bekommt das Publikum stattdessen geboten? Schwache Dialoge, kaum Spannung und vor allem einen Hollywood-Klangteppich, der alles zukleistert. Die Schlusspointe im Abspann und die wenigen Szenen, in denen Franco und Hill den nötigen Freiraum bekommen, sich ein Duell zu liefern, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Kinodebüt des Theaterregisseurs Rupert Goold statt eines spannenden Kammerspiels nur mittelmäßige Durchschnittsware liefert.

True Story, USA 2015 – Regie: Rupert Goold. – Drehbuch: Rupert Goold und David Kajganich, basierend auf dem Buch von Michael Finkel. – Kamera: Masanobu Takayanagi. – Mit: Jonah Hill, James Franco, Felicity Jones. – Fox, 99 Minuten. – Kinostart: 6. August 2015

Cyberfeministisches Science-fiction-Kammerspiel: Alex Garlands „Ex Machina“

Die tropischen Nächte im Sommerloch eignen sich ideal, einen sowohl visuell als auch thematisch interessanten Film in den Freiluftkinos nachzuholen: Ex Machina von Alex Garland.

Als Roman- und Drehbuchautor hat sich der Brite bereits einen Namen gemacht: schon sein Roman-Erstling Der Strand wurde von Danny Boyle verfilmt, dem er anschließend auch die Vorlagen zu 28 Days Later und Sunshine lieferte. Mit Ex Machina wagte er sich zum ersten Mal daran, bei einem seiner Stoffe selbst Regie zu führen.

Das Ergebnis lässt für die Zukunft noch einiges erwarten. Ex Machina packt die ganz großen Fragen an: künstliche Intelligenz und menschliches Bewusstsein, die Willensfreiheit und die Vorhersehbarkeit menschlicher Handlungen auf der Basis von Algorithmen, das erotische Begehren und seine Manipulierbarkeit. Diese Themen werden in den knapp 100 Minuten verhandelt, garniert mit Zitaten von Wittgenstein bis Oppenheimer und verpackt in eine spannende Handlung mit überraschenden Wendungen.

Dieses mit Oscar Isaac (seit seinem Durchbruch mit dem Film Inside Llewyn Davis eine feste Größe in Hollywood), der Schwedin Alicia Vikander und dem Iren Domhnall Gleeson sehr gut besetzte cyberfeministische Science fiction-Kammerspiel überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch. Die Residenz des Blue Book-Chefs Nathan (Oscar Isaac) wurde vom Architekturbüro Jensen & Skodvin als klaustrophobische, fensterlose und „in ihrer nordischen Klarheit beinahe brutal wirkende“ (NZZ) High-Tech-Zukunftsvision konzipiert und vom Kameramann Rob Hardy ebenso glänzend gefilmt wie die norwegische Landschaft.

Ex Machina. – GB 2015 – Regie, Buch: Alex Garland. Kamera: Rob Hardy. Mit: Domhnall Gleeson, Alicia Vikander, Oscar Isaac. Universal, 108 Minuten. – Kinostart: 23. April 2015

„Gefühlt Mitte Zwanzig“: schöne Sommer-Komödie über Hipster, Stadtneurotiker und den Kunstbetrieb

Komödien über Großstadtneurotiker, vor allem solche aus New York, haben wir wahrlich mehr als genug gesehen. Woody Allen produziert sie fast wie vom Fließband. Es lohnt sich dennoch, sich auf den neuen Film von Noah Baumbach einzulassen: While we´re young (im deutschen Verleih: Gefühlt Mitte Zwanzig) folgt mit liebevollem Blick dem Mittvierziger-Paar Josh (Ben Stiller, bekannt aus gefühlt jeder zweiten US-Komödie der vergangenen zwei Jahrzehnte) und Cornelia (Hollywood-Allzweck-Waffe Naomi Watts).

Im Job läuft es nicht wirklich rund: seit zehn Jahren arbeitet Josh an einem Dokumentarfilm, der dem militärisch-industriellen Komplex auf den Grund gehen möchte, sich aber in Nebensträngen verliert und mit drögen Experten-Interviews langweilt. Als Josh seinem Vater, einem wesentlich erfolgreicheren Dokumentarfilmer, eine Rohfassung zeigt, watscht ihn dieser mit der Pointe ab: Du hast mir einen sechseinhalbstündigen Film gezeigt, den ich sieben Stunden zu lang fand. Auch privat herrscht eher Tristesse: Josh und Cornelia langweilen sich gepflegt mit einander. Man geht mal schick essen, aber spätestens um 23 Uhr ins Bett. Vom Freundeskreis der Gleichaltrigen fühlt man sich mehr und mehr entfremdet: dort dreht sich alles nur um den Nachwuchs und die gemeinsamen Mutter-Kind-Kurse der Helikopter-Eltern.

Dieser gewohnte Trott wird durcheinander gewirbelt, als der autodidaktische Nachwuchs-Filmer Jamie (Adam Driver) und seine Freundin Darby (Amanda Seyfried mal wieder als junge Verführerin) in ihr Leben treten. Josh und Cornelia sind von der selbstbewussten Frische des jungen Paares (25, 26 mögen sie sein) begeistert. Es beginnt harmlos mit gemeinsamen Unternehmungen. Bedenklich wird es, als sich Josh einen albernen Hut kauft, um im Partner-Look ebenso lässig wie sein junger Kumpel Jamie durch die Straßen des Big Apple zu radeln. Unzufrieden mit ihrem verkorksten Beziehungsleben und ihren beruflichen Misserfolgen stürzen sich Josh und Cornelia in einen Jugendwahn und idealisieren die neuen Freunde als Projektionsfläche ihrer Träume von einem aufregenderen Leben.

Regisseur und Drehbuchautor Baumbach (nach einigen Independent-Überraschungs-Hits mittlerweile auch schon 45) erzählt das mit pointierten Dialogen und hübschen Szenen, so z.B. wenn Cornelia aus dem Musik-Kurs für Kleinkinder, in den ihre Altersgenossinnen sie schleppten, mit Darby in die HipHop-Aerobic-Stunde flüchtet. Manchmal driftet es aber auch in überflüssigen Klamauk ab, wie z.B. beim schamanischen Ayahuasca-Ritual ab.

In der zweiten Hälfte bekommt die Generationen-Komödie einen doppelten Boden und befasst sich auch satirisch auf den Kunstbetrieb: Josh dämmert langsam, dass es beim Filmprojekt von Jamie einige Fragwürdigkeiten gibt. Genervt von dem Hype um den Jungstar, der geschickt neue Kontakte für sich instrumentalisiert, macht er sich an die Recherche und möchte die Blase bei einem großen Event zum Platzen bringen. Seine große Rache-Aktion wird jedoch zur Bauchlandung.

Gefühlt Mitte Zwanzig ist eine muntere Komödie für den Kino-Sommer. Auch wenn nicht alle Gags zünden, lässt sie die verschiedenen Lebenswelten sehr unterhaltsam bis zur Katharsis aufeinanderprallen und in der Schluss-Einstellung doch einiges in der Schwebe. Endlich mal eine New Yorker Stadtneurotiker-Komödie ohne Woody Allens Altherrenphantasien, wie die 3sat-Kulturzeit treffend kommentierte!

While We’re Young/Gefühlt Mitte Zwanzig. – USA 2015. – Regie, Buch: Noah Baumbach. Mit: Ben Stiller, Naomi Watts, Adam Driver, Amanda Seyfried. – 97 Minuten. – Kinostart: 30. Juli 2015

„Slow West“: Filmdebüt nimmt Western-Klischees auseinander

Der Titel von John Macleans Debütfilm Slow West ist durchaus programmatisch zu verstehen: mit geradezu provozierender Langsamkeit reiht er die Szenen aneinander.

Auch sonst ist der Film alles andere als ein typischer Western. Der schottische Regisseur, der sich bisher vor allem mit seiner Indie-Band und einigen Kurzfilmen befasst hat, lässt seine beiden Hauptdarsteller, den deutsch-irische Hollywoodstar Michael Fassbender (vor allem aus den Filmen Hunger, Shame und 12 Years a Slave seines Lieblingsregisseurs Steve McQueen bekannt) und den jungen Australier Kodi Smit-McPhee, der 2010 im US-Remake Let me in des schwedischen Vampir-Films So finster die Nacht aufgefallen ist, durch die hervorragend gefilmte neuseeländische Landschaft reiten.

Das ungleiche Duo hat ein gemeinsames Ziel: der Teenager Jay Cavendish (Smit-McPhee) sucht verzweifelt nach seiner ersten großen Liebe Rose. Der abgebrühte Kopfgeldjäger Silas Selleck (Fassbender) hat sich an seine Fersen geheftet, da er gerne die Prämie kassieren möchte, die auf den Kopf der unter Mordverdacht stehenden Frau ausgesetzt ist. Auf ihrem Trip durch den Wilden Westen begegnen die beiden allerlei kuriosen Gestalten. Maclean ging es jedoch nicht darum, einen spannenden Western-Plot zu erzählen, sondern mit den Standard-Bausteinen des Genres zu spielen.

Am deutlichsten zeigt sich dies beim großen Showdown, der natürlich in keinem Western fehlen darf. Aber ohne zu viel zu verraten: John Wayne und anderen klassischen Helden des Westerns würde die Kinnlade herunterfallen, wenn sie sehen könnten, wie forsch hier die Erwartungen unterlaufen und Sehgewohnheiten karikiert werden.

Bei der Uraufführung im Januar 2015 zeichnete die Jury des Sundance-Festivals den Meta/Anti-Western Slow West mit einem der Hauptpreise aus. Zum deutschen Kinostart fielen die Kritiken verhaltener aus: Slow West ist ein interessanter Debütfilm, der sich unbekümmert an den Konventionen seines Genres abarbeitet. Einige gelungene, lakonisch erzählte Szenen sind bemerkenswert, andere Passagen ziehen sich zu sehr in die Länge.

Slow West – Kinostart: 30. Juli 2015. – Webseite und Trailer zum Film

Mit großen Augen ins Drogenkartell verstrickt: „Escobar – Paradise Lost“ im Kino

Reichlich naiv schlittert der junge Kanadier Nick Brady (gespielt von Hollywood-Nachwuchs-Star Josh Hutcherson) in lebensgefährliche Verstrickungen hinein: eigentlich wollte er mit seinem Bruder nur eine Surfschule in Kolumbien aufbauen. Mit großen Augen und Waschbrettbauch, den das Kinopublikum schon aus Hutcherons Auftritten in den Tribute von Panem-Blockbustern kennt, geht er tappsig durch sein Leben und landet geradewegs in den Armen von Maria (Claudia Traisac), der Lieblingsnichte des Drogenbosses Pablo Escobar. Bei einer opulenten Familienfeier wird er in den Clan aufgenommen. Statt präziser Milieustudien wie in Francis Ford Coppolas Der Pate konzentriert sich Regisseur und Drehbuchautor Andrea di Stefano in der ersten Stunde von Escobar – Paradise Lost jedoch allzu sehr auf die melodramatische Liebesgeschichte zwischen Nick und Maria.

Erst dann legt di Stefano den Schalter um und bietet einen spannungsgeladenen Thriller über einen jungen Mann, der langsam begriffen hat, auf welch ehrenwerte Gesellschaft er sich hier eingelassen hat. Als er den Auftrag bekommt, Säcke mit den angehäuften Reichtümern in einem sicheren Höhlenversteck zu deponieren und einen Helfershelfer zu liquidieren, fürchtet Nick auch um das eigene Leben. Verzweifelt versucht er, sich freizustrampeln.

Dieser Thriller-Plot ist für einen Debütfilm erstaunlich routiniert gefilmt, will sich aber mit der etwas langatmig geratenen Romanze nicht so recht zu einem stimmigen Ganzen fügen. Escobar – Paradise Lost ist kein schlechter Film, dafür sorgen allein schon die Auftritte von Benicio del Toro als Pablo Escobar, der von allen nur ehrfürchtig El Patron genannt wird. In dieser wichtigsten Nebenrolle bekommt del Toro jedoch zu wenig Gelegenheit, sein Können mehr als nur aufblitzen zu lassen.

Dementsprechend erntete der Film schon nach der Weltpremiere beim Festival in Toronto am 12. September 2014 eher mäßige Kritiken. Der Stoff und die Figuren hätten noch wesentlich mehr hergegeben als „eine leidliche Mischung aus Melodram und Actionfilm, in dem gelegentlich von Kokain gesprochen wird“, meinte auch Sonja Hartl in ihrer Rezension auf kino-zeit.de

Immerhin brachte der Film für Josh Hutcherson und Claudia Traisac ein Happy-End: sie setzten ihre Leinwandromanze fort und wurden, wie zu lesen war, auch im wirklichen Leben ein Paar.

Webseite zum Film

Kinostart: 9. Juli 2015

Stationen eines Niedergangs: Biopic „Amy“ im Kino

Nein, sie möchte nie berühmt werden. Und falls doch, hofft sie, dass sie von der Öffentlichkeit möglichst in Ruhe gelassen wird und sich ganz auf das konzentrieren darf, was sie am besten kann: ihre Musik.

Heute, vier Jahre nach ihrem Tod, wissen wir, dass sich dieser Wunsch aus einem frühen Interview von Amy Winehouse leider nicht erfüllt hat. Im Gegenteil: Umgeben von falschen Freunden und auf zahlreiche neue Tourneen gehetzt, versank sie immer tiefer im Drogen-Sumpf.

Dementsprechend traurig sind die etwas mehr als zwei Stunden dauernden Stationen des Niedergangs einer Ausnahme-Künstlerin mitanzusehen. Regisseur Asif Kapadia, der sich 2010 mit seinem Biopic Senna über den tödlich verunglückten Formel 1-Fahrer einen Namen machte, montierte für seinen Film Amy TV-Mitschnitte, frühe Video-Aufzeichnungen und Interviews mit Weggefährten (Manager, Vater, Ex-Freund, usw.) zu einer düsteren Collage mit einigen Längen.

Der Film endet mit den Buhrufen und Pfiffen bei ihrem völlig missglückten letzten Konzert in Belgrad und dem vernichtenden Echo internationaler Medien darauf. Was bleibt, sind ihre erfolgreichsten Songs: Back to Black und Rehab haben auch fast ein Jahrzehnt nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Frische verloren.

Amy Winehouse starb am 23. Juli 2011. Die Dokumentation Amy von Asif Kapadia ist seit 16. Juli 2015 im Kino zu sehen.

Webseite zum Film

Dietrich Brüggemanns Nazi-Farce „Heil“: Kalauer, Karikaturen und Kumpels

„Wie wäre es mal mit einer Komödie mit Neonazis?“ – Diese Idee trug Dietrich Brüggemann schon länger mit sich herum, wie er im Interview mit Bert Rebhandl für das Stadtmagazin tip Berlin berichtet. Aber: „Das finanziert dir doch kein Schwein.“

Nach dem großen Festival-Erfolg von Kreuzweg, der bei der Berlinale 2014 mit dem Silbernen Bären für das Beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, schien der Moment günstig: „Jetzt machen wir das aber schnell, bevor uns einer auf die Schliche kommt“, erzählte Brüggemann im Interview.

Flugs wurden einige Kumpels für den Kinofilm Heil zusammengetrommelt: Benno Fürmann (herrlich unsympathisch als Nazi-Lokal-Größe Sven Stanislawski), Jacob Matschenz (als debile Glatze Johnny) oder Jerry Hoffmann (als Autor Sebastian Klein), der in dieser Spielzeit als neues Ensemble-Mitglied am Gorki in Seid nett zu Mr. Sloane und Das Kohlhaas-Prinzip zu sehen war und schon während des Studiums bei René Pollesch an der Volksbühne sowie am Ballhaus Naunynstraße engagiert war, spielen die tragenden Rollen. Brüggemanns Schwester Anna ist als Nazi-Braut Doreen auch wieder an Bord.

Überraschend ist, wer sich noch an diesem Spaß-Projekt beteiligt hat: RBB, SWR, ARD Degeto, arte und RBB finanzieren ihn; Intendant Ulrich Khuon stellte das edle Foyer des Deutschen Theaters für Dreharbeiten zur Verfügung, sein Sohn Alexander übernimmt einen kleinen Part als schnöseliger Moderator einer Akademie-Diskussion vor den elegant gekleideten Anhängern der Sarrazin-Thesen. Wie ein Who´s´who der deutschen Kinolandschaft liest sich schließlich die Besetzung weiterer Nebenrollen und Gastauftritte: Michael Gwisdek, Hanns Zischler, Andreas Dresen

Heraus kam ein wilder Rundumschlag, bei dem jeder sein Fett wegbekommt: die Neonazis genauso wie die Antifa; nebeneinanderher wurstelnde Verfassungsschutzbehörden ebenso wie TV-Laber-Runden, wo ein buntes Sammelsurium von Phrasendreschern kurze Soundbites absondert, aber keine echte Diskussion aufkommen darf. Die knapp zwei Stunden sind gespickt mit einigen hübschen Insidergags, aber auch der nächste Kalauer ist nie weit. Manche Kalauer sind so flach, dass es nur noch weh tut. Deshalb erntete Brüggemanns Heil auch einige Verrisse wie von Rainer Gansera, der in seiner Rezension Im Depperl-Karrussell in der Süddeutschen Zeitung über banale Gags, läppische Schenkelklopfer und gähnende Langeweile schimpfte.

Heil ist sicher keine Sternstunde des deutschen Autorenkinos und einen stringenten Plot sucht man eher vergeblich, aber das sollte auch so sein. Brüggemann plauderte im tip-Interview aus dem Nähkästchen: „Es ist eine Explosion, die sich organisch entwickelt. Man schaut der Sache schreibend zu. So ein Film macht sich bis zu einem gewissen Grad immer selbst.“ Aber das Ergebnis ist dann doch nicht so furchtbar trashig, wie es sich in manchen Rezensionen liest. Den Schauspielern macht es sichtlich Spaß, sich in dieser Nazi-Farce einfach mal austoben und Karikaturen spielen zu dürfen. Auch wenn ein Kalauer mal an die Schmerzgrenze geht, wird man zwischendurch wieder mit subtileren Pointen entschädigt oder darf miträtseln, welcher Promi in der nächsten kleinen Gastrolle auftreten wird.

Trailer zu Heil

Webseite zum Film

Heil. – Drehbuch und Regie: Dietrich Brüggemann. – Schauspieler u.a.: Benno Fürmann, Liv Lisa Fries, Jerry Hoffmann, Jacob Matschenz, Daniel Zillmann, Oliver Bröcker, Anna Brüggemann. – Deutschland 2015. – Verleih: X-Verleih. – Länge: 103 Minuten. – FSK: ab 12 Jahren. – Kino-Start: 16. Juli 2015

Brasilianischer Berlinale-Publikums-Liebling „Que horas ela volta?/Der Sommer mit Mamã“ durchbricht Klassenschranken

Im Rahmen der Sommer-Berlinale im Freiluftkino Friedrichshain lief an diesem Wochenende der brasilianische Publikums-Liebling Que horas ela volta? von Anna Muylaert, der im Februar von der Zuschauer-Jury der Sektion Panorama auf den ersten Platz gewählt wurde.

Der Film ist ein klassisches Emanzipationsdrama: die Haushälterin Val (gespielt von Regina Casé, einer in Brasilien sehr bekannten Schauspielerin) führt seit fast zwei Jahrzehnten den Haushalt einer Oberschichtsfamilie in Sao Paulo. Stets loyal liest sie den Herrschaften jeden Wunsch von den Lippen ab, den Sohn Fabinho verwöhnt und streichelt sie wie ein eigenes Kind, sie wirkt mit ihrer Rolle und ihrer bescheidenen Kammer durchaus zufrieden. Bis sich plötzlich ihre Tochter Jéssica meldet (Camila Márdila): da Val dringend Geld verdienen musste, hat sie das Mädchen bei einer Tante in der Provinz geparkt. Die selbstbewusste junge Frau möchte sich für ein Architekturstudium an der angesehnsten Hochschule der Metropole bewerben und bringt das Sozialgefüge in diesem Haushalt gehörig durcheinander: mit kecken Suggestivfragen erkämpft sie sich das luxuriöse Gästezimmer anstatt auf der Matratze am Boden der Dienstboten-Wohnung zu kauern. Und auch sonst ist sie nicht bereit, sich an die vielen ungeschriebenen Regeln und Standesschranken zu halten, die ihr Val kopfschüttelnd immer wieder einzutrichtern versucht.

Das Ende dieser trotz einiger Längen ganz amüsanten Studie über eine Gesellschaft im Wandel, in der starre Klassengegensätze langsam in Frage gestellt werden, ist absehbar: Auch Val, aus deren Perspektive die knapp zwei Stunden erzählt werden, nimmt die bestehende Ordnung nicht mehr einfach hin, sondern das Heft das Handelns in die Hand.

Que horas ela volta? wird unter dem Verleih-Titel Der Sommer mit Mamã am 20. August 2015 in den Kinos starten.

Berlinale-Filmdatenblatt zu Que horas ela volta?

Ungarische Politparabel „Underdog“: Rache der Kampfhunde brennt sich ins Gedächtnis ein

Underdog, der neue Film des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó, beginnt mit einer Albtraumsequenz: ein kleines Mädchen auf dem Fahrrad, auf einer menschenleeren Straße in der Häuserschlucht einer Großstadt. Hinter ihr schießt eine Meute rasender, geifernder Hunde um die Ecke.

Nach diesen Auftaktbildern und einem harten Schnitt kommt der Film zunächst ganz harmlos daher: Katja Nicodemus fühlte sich in ihrer ZEIT-Rezension von den nächsten Passagen an einen Kinderfilm erinnert. Im Mittelpunkt stehen die 13jährige Lili (Zsófia Psotta) und ihr bester Freund, ihr Labrador-Mischling Hagen. Die Mutter muss dringend mit ihrem neuen Freund und aus beruflichen Gründen nach Australien. Tochter und Hund werden beim autoritären Vater geparkt, der gleich klarmacht, dass er von dem „Köter“ als neuem Mitbewohner alles andere als begeistert ist. Es könnte nun als sentimentale Geschichte wie Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft (2009) weitergehen oder als Pubertätsdrama über einen Vater-Tochter-Konflikt.

Aber Mundruczó führt den Plot zielstrebig zurück auf die Straßen Budapests, mitten hinein in einen Horrortrip (Die ZEIT). Der Vater setzt den Hund auf einer der vielbefahrenen Ausfallstraßen aus. Für den Hund Hagen beginnt eine Odyssee: auf der Flucht vor Hundefängern landet er schließlich bei verschiedenen Geschäftemachern, die ihre Tiere mit allen unerlaubten Mitteln zu aggressiven Bestien abrichten, die sich in blutigen Kämpfen gegenseitig an die Kehle gehen und neben dem Nervenkitzel auch hohe Wetteinsätze garantieren. Lili macht sich auf die Suche nach ihrem Hund, legt sich dabei mit ihrem Vater und ihrem ähnlich despotischen Musiklehrer an, der seine Schüler fast so schlimm drillt wie wir es zuletzt in Whiplash gesehen haben.

Der Film spitzt sich mit Bildern, die sich ins Gedächtnis einbrennen, zu einer Politparabel zu: nicht nur Lili wehrt sich, sondern auch die Hunde. Hinter ihrem Anführer Hagen vereinen sie sich zu einer beißkräftigen, beängstigenden Kampfhund-Formation, die durch die Straßen rennt und sich an ihren Peinigern rächt. Die Anklänge an das Kinderfilm-Genre sind glänzend gefilmten Verfolgungsjagden und geballter Wut gewichen. In einem TV-Interview erzählte eine Hundetrainerin, wie aufwendig es war, bis sich die Hunde tatsächlich zu einer solchen Meute zusammenballten und als geschlossener Pulk gemeinsam losrannten.

Wie in Kornél Mundruczós Theaterarbeiten, die am Hamburger Thalia oder beim Leaving is not an Option-Festival im März 2014 am Berliner HAU zu sehen waren, treiben ihn auch hier die politischen Entwicklungen in Ungarn um. Die Botschaft seines taz-Interviews von 2014 und dieses beeindruckenden Films ist: Europa darf nicht wegschauen, wenn mitten in der EU der ungarische Premier Victor Orbán und seine Fidesz-Partei Minderheiten ausgrenzen, das Verfassungsgericht entmachten und Freiheiten systematisch eingeschränkt werden.

White God wurde im Mai 2014 beim Festival in Cannes mit dem Hauptpreis der Reihe Un certain regard, einer Fundgrube für exzellentes Autorenkino, ausgezeichnet. Es war überfällig, dass er unter dem Verleihtitel Underdog ein Jahr später auch endlich in den deutschen Kinos zu sehen ist.

Underdog. – Regie: Kornél Mundruczó. – Drehbuch: Kornél Mundruczó, Viktória Petrányi, Kata Wéber. – Darsteller: Zsófia Psotta, Sándor Zsótér, Lili Horváth. – Produktion: Proton Cinema, Filmpartners, The Chimney Pot, ZDF/Arte. – Verleih: Delphi Filmverleih. – Länge: 121 Minuten. – FSK: ab 12 Jahren. – Start: 25. Juni 2015

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