Kinostart von drei Berlinale-Panorama-Beiträgen: das Nick Cave-Biopic 20.000 Days on Earth“, das Schweizer Doku-Drama „Der Kreis“ und irischer Brachialhumor in „Am Sonntag bist Du tut“

Ende Oktober starten drei Filme bundesweit in den Kinos, die Wieland Speck und sein Team schon in der Sektion Panorama der Berlinale im Februar 2014 präsentierten.

Der Schweizer Stefan Haupt nahm für sein Dokudrama Der Kreis gleich zwei Preise mit aus Berlin nach Zürich: neben dem queeren Teddy-Award eroberte er auch Platz 1 in der Zuschauerabstimmung über den besten Dokumentarfilm im Panorama. Außerdem schickt ihn die Schweiz ins Rennen um die nächste Oscar-Verleihung Anfang 2015.

Haupts Film ist ein interessanter Mix aus Interviews mit Zeitzeugen und nachgestellten Spielszenen. Er beleuchtet das miefige gesellschaftliche Klima der 50er Jahre, als sich der junge Lehrer Ernst Ostertag (gespielt von Matthias Hungerbühler) und der Travestiekünstler Röbi Rapp (Sven Schelker) im Umfeld des Magazins Der Kreis kennenlernen und verlieben. Diese Zeitschrift testete ab Ende der 1940er Jahre bis in die 1960er Jahre die Grenzen des Sag- und Schreibbaren aus und war einer der Vorreiter homosexueller Emanzipation. Das Paar ist bis heute liiert und hat 2003 die erste Homo-Ehe im Kanton Zürich geschlossen.

Auch wenn manche Passagen etwas zu behäbig sind, handelt es sich bei diesem Kino-Neustart um einen bemerkenswerten gesellschaftspolitischen Dokumentarfilm.

Die zweite neue Dokumentation 20.000 Days on Earth, die eigentlich eher ein Filmessay ist, stellt den Musiker Nick Cave in den Mittelpunkt. Leider begehen Iain Forsyth und Jane Pollard einen Grundsatzfehler: sie machten Nick Cave nicht nur zum Zentrum der Handlung, sondern auch noch zum Drehbuchautor, der uns eine 97minütige Selbstinszenierung bietet, die auf die Dauer langweilt. Nur für eingefleischte Fans empfehlenswert, alle anderen werden durch ein paar schöne, zumeist neuere Songs entschädigt. Für eine erste Annäherung an Nick Cave ist aber die Berner Theaterinszenierung Murder Ballads besser geeignet.

Zwiespältig ist John Michael McDonaghs Am Sonntag bist Du tot (Originaltitel: Calvary) zu bewerten. Er reicht ebenso wie sein voriger Film The Guard nicht an die Qualität seines Bruders Martin McDonagh heran, der mit 7 Psychos und vor allem Brügge sehen… und sterben? auf hohem Niveau unterhält.

Der Film hat nicht recht viel mehr zu bieten als einen fulminanten Anfang und einen bemerkenswerten Schluss. McDonagh geht es um eine wütende Abrechnung mit der für pädophile Missbrauchsskandale verantwortlichen katholischen Kirche Irlands im Gewand einer schwarzen, leider oft holzschnittartigen Komödie. Der lange Mittelteil zerfasert in langastmigen Szenen mit Abziehbildern statt Figuren. Die schönen Aufnahmen der rauen irischen Landschaft und die bekannten Schauspieler Brendan Gleeson (als mit einer Morddrohung konfrontierter Priester) und Kelly Reilly (als seine Tochter) machen dies nicht wett.

Der Kreis von Stefan Haupt (Schweiz). 100 Minuten. Kinostart: 23. Oktober 2014

20.000 Days on Earth von Iain Forsyth/Jane Pollard (Großbritannien). 97 Minuten. Kinostart: 16. Oktober 2014

Am Sonntag bist Du tot/Calvary von John Michael McDonagh (Großbritannien/Irland). 100 Minuten. Kinostart: 23. Oktober 2014

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.