Nina Hagen und Gustl Mollath mit der Klampfe zu Brecht-Liedern gegen Maßregelvollzug

Bei Nina Hagen weiß man vorher nie so genau, was einen erwartet. Das Berliner Ensemble, Brechts traditionsreiche Bühne am Schiffbauerdamm, wo die junge Nina mit 12 Jahren ihre ersten Theaterfahrungen machte, lud zu einem Brecht-Lieder mit Klampfe-Abend mit der bekannten Künstlerin ein.

Das Publikum bekommt auch tatsächlich viele bekannte Songs des großen Dichters wie z.B. die Moritat von Mackie Messer (Und der Haifisch…) aus der Dreigroschenoper geboten. Die meiste Zeit des fast dreistündigen Abends verwendet Nina Hagen aber für ihr politisches Engagement gegen § 63 StGB und Missstände in der Psychiatrie. Mit Ilona Haslbauer an ihrer Seite auf einem großen Sofa trägt sie einige der Lieder und Gedichte ihrer Freundin vor, für deren Entlassung sie sich lange engagiert hat. Am Ende gibt auch Gustl Mollath, der berühmteste Kronzeuge für dieses Thema ein kurzes Statement ab – in der ersten Hälfte saß er noch mitten im Publikum.

Richtig hitzig wird es, als die Einweisung in die Psychiatrie durch ein Schlechtachten, wie es Nina Hagen in ihrem Wortspiel bezeichnete, in einem Gedicht mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus verglichen wird. Mehrere Zuschauer verließen protestierend den Saal, Türen knallten, ein psychiatrieerfahrener Mann brüllte denjenigen, die den Saal verließen, empört hinterher.

Ein auch für Nina Hagens Verhältnisse ungewöhnlicher Abend…

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Über Konrad Kögler

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