Pigor & Eichhorn zwischen demonstrativer Verweigerung und bissigen Miniaturen: „Volumen 8“ in der „Bar jeder Vernunft“

Schon fast zwanzig Jahre touren Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn gemeinsam über die deutschen Kleinkunstbühnen. 1995 begannen sie mit Volumen 1 und arbeiteten sich streng chronologisch bis Volumen 8 vor, das im Herbst 2013 Premiere hatte und derzeit wieder in der Bar jeder Vernunft zu sehen ist.

In den ersten 40 Minuten bis zur Pause merkt man dem Duo an, dass sie schon zahlreiche gemeinsame Auftritte auf dem Buckel haben. Routiniert und ohne zündende, neue Ideen spulen sie im Morgenmantel ihr leicht variiertes Repertoire ab. Die gefühlt tausendste Comedy-Nummer zur never-ending-Story des Berliner Flughafens steht symptomatisch für diesen ersten Teil des Abends.

Recht zäh schleppen sich die Nummern dahin, als müden Running-gag halten die beiden Kleinkünstler Drei-Minuten-Kurz-Vorträge zu möglichst uninteressanten, staubtrockenen Themen als Science Slam-Parodie. In einem Akt demonstrativer Verweigerung, der aber auch nur geklaut ist und beispielsweise bei Harald Schmidt witziger und weniger bemüht wirkte, lassen sie weitere drei Minuten das Licht löschen, damit das Publikum einen kleinen Power-nap einlegen kann.

Erst nach der Pause kommen Pigor & Eichhorn in Fahrt: mit den bissigen Texten, die Alltagsbeobachtungen gekonnt aufspießen, erreichen sie wieder das Niveau, das ihnen den Deutschen Kleinkunstpreis einbrachte. Der gehetzte Selbst-Optimierer, der seine to do-Liste abarbeitet und im Dezember feststellt, dass er doch nichts Wesentliches erreicht hat, die übereifrigen Gäste, die in die Küche stürmen, beflissen ihre Hilfe anbieten und doch nur stören, werden ebenso satirisch zugespitzt aufs Korn genommen wie die Teddybär-Väter, die sich als Müllschlucker-Resteverwerter, Packesel und Heimwerker durch den Familienalltag quälen und der Entscheidungsträgerin mit den vollen Einkaufstaschen hinterherhecheln.

In diesem zweiten Teil kommt endlich Stimmung in das Spiegelzelt, bevor sich das Duo nach zwei Zugaben und knapp zwei Stunden in den Feierabend zurückzieht.

Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten: Volumen 8. – Noch bis 19. Oktober 2014 in der Bar jeder Vernunft

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Über Konrad Kögler

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