„Jesus Kinski“ liest Merkel und dem Papst die Leviten

Im Mehringhoftheater ist momentan der bekannte politische Parodist Reiner Kröhnert mit seinem neuen Programm Das Jesus Comeback zu Gast. Knapp zwei Stunden lang schlüpft der Satiriker in seine Paraderolle als Gift und Galle spuckender Klaus Kinski, der von seinem Mentor Werner Herzog zu Beginn des Abends als Reinkarnation von Jesus angekündigt wird. Aber auch viele andere alte Bekannte aus Kröhnerts bisherigen Programmen sind wieder zu erleben: Pastor Hintze und Ronald Pofalla als sich in Beflissenheit überbietende Diener der Kanzlerin, Angela herself, fast Vergessene wie Norbert Blüm, Friedrich Merz und Michel Friedman. Als Neuzugang tritt Papst Benedikt XVI. auf, dessen Stimmlage Kröhnert zum Teil aber noch nicht ganz trifft, so dass er sich eher nach dem Alt – Talker Erich Böhme aus früheren Abenden anhört.

Diese Kabarettinszenierung verläuft wieder nach bewährtem Strickmuster: Entlang eines roten Fadens treten die einzelnen Figuren in kurzen Nummern mit oft bissigen Dialogen auf. Beeindruckend ist, wie genau der Schauspieler die Gestik und Mimik mancher Akteure trifft: Friedmans Selbstgefälligkeit, der sich als eigentlicher Messias sieht, oder die ständige Promotion von Friedrich Merz für sein Buch Mehr Kapitalismus wagen werden zu präzisen Porträts.

Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Jesus Kinski, der die "Plattitüden der Politpygmäen" anprangert und Norbert Blüm barsch über den Mund fährt, wie man es aus Kinskis legendärem Auftritt in der Berliner Deutschlandhalle kennt. Besonders scharf attackiert er Papst Benedikt und seine lavierende Haltung gegenüber dem berüchtigten Holocaust-Leugner Bischof Williamson. Aber auch Kanzlerin Angela und ihre Entourage holen sich einen Rüffel, als er sie in die Schranken weist und den Ehrenvorsitz der Christlichen Demokratischen Union ablehnt, weil er das C des Parteinamens in der praktischen Politik zu selten erkennen könne.

Das Jesus Comeback ist ein kurzweiliger Abend, an dem vor allem jene Freude haben werden, die Kröhnert bisher noch nicht live erlebt haben. Das Stammpublikum wird zwar viele vertraute Grundmuster wiedererkennen, dennoch aber an den zugespitzten aktuellen Pointen Gefallen finden.

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Über Konrad Kögler

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