Was taugt „Der Circle“ von Dave Eggers

Wenige Bücher lösen so kontroverse Debatten in den Feuilletons aus wie der neue Roman von Dave Eggers. Die einen rühmen Der Circle als DAS Buch zur aktuellen Debatte um digitale Oligopole im Silicon Valley und grenzenlose Überwachung der Datenströme. Andere kritisieren, dass dieser Schlüsselroman über eine recht naive junge Frau, die bei einem großen Konzern á la Google einsteigt, unterkomplex mit hölzernen Figuren, klappernden Dialogen und schwarz-weiß-gezeichneten Charakteren sei.

Festivaldirektor Ulrich Schreiber nahm dies zum Anlass, diesen Streit von drei Protagonistinnen und Protagonisten auf dem Podium des Hauses der Berliner Festspiele noch mal ausfechten zu lassen: Julia Encke (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) und Iris Radisch (ZEIT) vertraten die Pro-Seite, Dirk Knipphals (taz) gab entschieden Contra.

Die Diskussion litt unter zwei zentralen Mängeln: Ulrich Schreiber musste kurzfrisrtig als Moderator für Georg Diez einspringen und sorgte mangels fundierter Vorbereitung für einige unfreiwillig-komische Überleitungen. Außerdem tappten die Diskutanten mehrfach zielsicher in Klischeefallen, als sie im Brustton der Überzeugung über ihre Sicht auf Amerika und Europa räsonierten. Dennoch gelang es, den Kern des Disputs kompromiert darzulegen.

Der interessanteste Beitrag kam jedoch aus dem Publikum: eine Leserin empfahl Zero von Marc Elsberg, das thematisch ähnlich, aber literarisch hochwertiger und inhaltlich differenzierter sei. Dieses Buch hatte aber leider niemand auf dem Podium gelesen.

Der Circle von Dave Eggers. Kiepenheuer & Witsch, 560 Seiten

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