Berlinale 2010: „Zeit des Zorns“ als Parabel auf die Lage im Iran

Einen der begehrten Bären hätte sicher Rafi Pitts für sein Drama Shekarchi/Zeit des Zorns verdient, dass heute unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen präsentiert wurde. Der Exil – Iraner, der mit seiner Familie als kleiner Junge zunächst nach London zog und jetzt in Paris lebt, ist nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch Hauptdarsteller dieses stimmig inszenierten Films.

Rafi Pitts spielt den vom Leben gezeichneten Familienvater Ali, der sich nach einer Haftstrafe als Nachtwächter über Wasser hält. In langsamen Einstellungen folgt die Kamera dem ärmlichen Alltag der Figuren. Bis ein unerwartetes Ereignis eintritt: Eines Abends wartet Ali vergeblich auf seine Frau Sara und seine Tochter Leila. Auf der Polizeiwache erfährt er, dass sie in die Unruhen auf Teherans Straßen hineingeraten sind und seine Frau sicher tot ist.

Ali steigert sich in eine fieberhafte Suche nach der Tochter, bis der letzte Strohhalm der Gewissheit weicht, dass auch sie tut ist. Aus Rache postiert er sich über einer Autobahn und erschießt gezielt zwei Polizisten. Nach einer wilden Verfolgungsjagd über nebelverhangene Serpetinen wird Ali von zwei weiteren Polizisten geschnappt.  

Nun entspinnt sich ein spannendes Psychoduell mit wechselnden Fronten und überraschendem, aber schlüssigem Ende zwischen den beiden Sicherheitskräften und ihrem Gefangenen: Bei starkem Regen haben sie sich im Wald verlaufen, die Aggressionen nehmen zu.

Der Film kann auch als Parabel auf die aktuelle Situation im Iran gesehen werden: Das Land steckt in einer Sackgasse, die Opposition und das theokratische System stehen sich in einem zermürbenden Konflikt gegenüber, für den keine schnelle Lösung in Sicht ist. Risse innerhalb des Sicherheitsapparats lassen sich erahnen und machen die Lage unübersichtlicher. Wie im Film gilt auch im Machtkampf von Teheran: Bei manchen Akteuren weiß man nicht so recht, auf welche Seite sie sich letztlich schlagen werden.

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