Raum: Hollywood wird von den Kampusch und Fritzl inspiriert

Ihren Namen kannten bis vor kurzem nur Insider: die kalifornische Schauspielerin Brie Larson gewann in diesem Jahr den “Golden Globe” und den “Oscar” als beste Hauptdarstellerin in “Raum”.

Sie spielt eine junge Mutter, die entführt und in einem Schuppen regelmäßig von ihrem Peiniger vergewaltigt wird. Es ist klar, von welchen realen Ereignissen sich die kanadische Drehbuchautorin Emma Donoghue inspirieren ließ: die österreichischen Fälle von Natascha Kampusch und der Familie Fritzl standen Pate.

Die fiktive Handlung dieses Indepent-Films, der laut Süddeutscher Zeitung mit schmalem Budget auskommen musste, beginnt am 5. Geburtstag von Jack (Jacob Tremblay). Wie wir nach und nach erfahren, wurde er bei einer der zahlreichen Vergewaltigungen gezeugt.

Er hat nie etwas anderes als den wenige Quadratmeter großen Raum kennengelernt. Frei nach dem berühmten Wittgenstein-Zitat bedeuten die Grenzen des Zimmers die Grenzen seiner Welt. Die Menschen im Fernsehen seien frei erfunden; Ozeane, Wälder und Städte existierten auch nicht in der Realität, impft Jacks Mutter ihm anfangs ein. Jenseits der Oberluke liege nur das Weltall. Dennoch versucht Joy, ihn zwischen Kochnische, Bett, Schrank, Stühlen und Zimmerpflanze so “normal” und behütet wie möglich aufwachsen zu lassen.

Das Erzähltempo zieht nur langsam an. Im Mittelteil lässt Regisseur Lenny Abrahmson die Zuschauer im Kinosessel bei den Fluchtversuchen mitfiebern. Diese Passagen sind die stärksten Momente des Films.

Danach tappt der Film zu oft in die Klischeefallen, als er versucht, Mutter und Sohn dabei zu beobachten, wie sie sich mühsam an die Welt jenseits ihres Gefängnisses herantasten. Es ist sicher eine schwierige Gratwanderung und erfordert viel Fingerspitzengefühl, dieses Thema in den Griff zu bekommen. Aber das penetrante Klaviergeklimper und die hölzernen “Es tut mir leid”-Dialoge, mit denen sich der Film seinem Ende entgegen schleppt, sind schon ziemlich enttäuschend.

“Raum” startete am 17. März 2016 in den Kinos: Webseite und Trailer

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