Die Lächerlichkeit der Bourgeoisie: „Victor oder Die Kinder an der Macht“ auf der BE-Probebühne

Der französische Regisseur Nicolas Charaux hat offensichtlich ein Faible für die farcenhaften Abrechnungen mit der Bourgeoisie: Während seines Regie-Studiums am Wiener Max Reinhardt Seminar befasste er sich mit der „Affäre Rue de Lourcine“ von Eugéne Labiche. Für das Berliner Ensemble grub er vor kurzem „Victor oder Die Kinder an der Macht“, ein surrealistisches Theaterstück von Roger Vitrac aus dem Jahr 1928 aus.

Auf der BE-Probebühne machte sich Charaux mit vielen bekannten Namen aus Peymanns Ensemble wie Norbert Stöß, Swetlana Schönfeld oder Roman Kaminski über das Bürgertum lustig, das von einem neunjährigen Kind (Raphael Dwinger als Victor) manipuliert und wie am Nasenring durch die Manege geführt wird. Anfangs ist das bunte Treiben im Wohnzimmer ganz amüsant mit anzusehen.

Auf die Dauer werden die knapp zwei Stunden langweilig, da dem Abend die Abgründe und die Doppelbödigkeit fehlen, die z.B. Karin Henkels Inszenierung der „Affäre Rue de Lourcine“ einige Hundert Meter weiter am Deutschen Theater auszeichnen.

Die „Victor oder Die Kinder an der Macht“-Inszenierung von Nicolas Charaux, der seit seiner Auszeichnung mit dem „Young Directors Award“ in Salzburg 2014 als Nachwuchshoffnung gehandelt wurde, plätschert erschreckend museal vor sich hin.

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