„Geächtet“ am Kudamm: Scherbenhaufen nach entgleistem Abendessen

Zwei gutsituierte Paare, ein gepflegtes Abendessen, Small-Talk über Gott und die Welt, bis der Abend komplett entgleist: diese Thematik kennen wir aus zahlreichen Salonkomödien, vor allem aus Edward Albees Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“?

Das Problem des Broadway-Hits „Geächtet“ von Ayad Akhtar, der momentan von Berlin über München bis Hamburg auf mehreren deutschen Spielplänen steht, ist, dass die knapp zwei Stunden thematisch zu sehr überfrachtet sind. Private Eifersuchtsdramen verschränken sich mit Amirs schwierigem Verhältnis zum Islam. Der hochbezahlte Anwalt verleugnet seine muslimisch-pakistanische Herkunft und gibt sich den indischen Nachnamen Kapoor. Er ist peinlich darauf bedacht, sich von der Religion abzugrenzen, mit der er aufgewachsen ist, bis es während des Dinners aus ihm herausbricht: Er sei stolz auf die Attentäter von 9/11.

Wie er zu dieser Einschätzung kommt, bleibt im Dunkeln. Um so nachvollziehbarer ist die entsetzte Reaktion der drei Mitdiskutanten. Sie verzetteln sich in Diskussionen über das Racial Profiling bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen und die Drohungen des ehemaligen iranischen Präsidenten Ahmadinejad gegen Israel. Die Dialoge bleiben jedoch hölzern, so dass sie ebenso wenig Interesse wecken können wie die privaten Über-Kreuz-Verstrickungen der beiden Paare.

Der Beatles-Song „A day in the life“ ist einer der wenigen Momente, die von dieser Inszenierung von Ivan Vrgoč im Theater am Kurfürstendamm angenehm in Erinnerung bleiben. Für Amir endet der Abend als Scherbenhaufen, für das Publikum ist er kein großes Theatervergnügen. Es war für die fünf Schauspieler (Katja Sallay, Mehdi Moinzadeh, Dela Dabulamanzi, Gunther Gillian und Rauand Taleb) allerdings sicher auch nicht einfach, knapp zwei Monate nach der Premiere vor einem nur spärlich besetzten Saal zu spielen.

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