„The Big Short“: Satirisches Kino-Porträt der Lemminge auf dem Weg zum Crash

„The Big Short“ hätte gründlich schief gehen können. Dass ausgerechnet Adam McKay eine gelungene Verfilmung des Sachbuch-Bestsellers „The Big Short: Inside the Doomsday Machine“, des Wirtschaftsjournalisten Michael Lewis gelingen könnte, ist wirklich nicht naheliegend.

Zwischen diesem Buch, das von der FAZ schon 2010 als eines der kenntnisreichsten und informativsten Bücher über den Finanzmarkt-Crash von 2008 ff. empfohlen wurde, und McKays bisherigem Filmschaffen liegen Welten. Er fiel in den vergangenen Jahren vor allem als Regisseur von Will Ferrell-Filmen wie „Anchorman“ und „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“ auf: „Pubertäre Jungskomödien“, wie ZEIT Online schrieb, die WELT bezeichnet ihn als „Teil der Männer-werden-nie-erwachsen-Spaßblase um Judd Arpatow“.

Angesichts dieser Vorgeschichte ist „The Big Short“ eine erstaunlich ernsthafte, „geerdete“ (Filmstarts.de) Aufarbeitung der Ära, als die Banker sich gegenseitig darin überboten, Ramschpapiere in hübscher Verpackung und mit angeblich bester Bonität zu verkaufen, bis sich die Risiken zu einer gewaltigen Spekulationsblase anhäuften. Der Film porträtiert die skrupellosen Geschäftemacher, die Mitläufer, die Zocker, die nur auf das schnelle Geld und Partys aus waren, und beschreibt präzise, wie die Lemminge gemeinsam dem Abgrund entgegen strömten und alle Warnungen als lächerlich abtaten.

„The Big Short“ zeigt aber auch die Stimmen, die früh darauf hinwiesen, dass hier etwas gewaltig schiefläuft: Eine der Hauptrollen spielt Christian Bale als Hedgefonds-Manager Michael Burry, ein Außenseiter und Analytiker-Nerd, der sich durch die Zahlenkolonnen wühlte und zu dem Schluss kam, dass diese Rechnung niemals aufgehen kann. Die meisten schlugen seine Mahnung in den Wind. Einige waren schlau genug, aufs richtige Pferd zu setzen, so z.B. Jared Vennett (Ryan Gosling), der sich im „House of Cards“-Stil immer wieder ans Publikum wendet und triumphierend mit aasigem Grinsen von seinen neuen Winkelzügen berichtet, bevor er am Ende absahnt. Als cholerischer Kritiker der Missstände an der Wall Street mischt Mark Baum (Steve Carell) regelmäßig die Meetings seiner Bank auf. Er hat ebenso wie die beiden Jungs vom Land (Finn Wittrock und John Magaro), die vom Durchbruch träumen und einen Wallstreet-Aussteiger (gespielt von Brad Pitt, der den Film auch co-produzierte) als Mentor haben, das richtige Näschen.

Der Film „The Big Short“ jongliert mit all den Abkürzungen wie CDOs und ähnlichen Schrottpapieren, die zum Crash 2008 führten. Das Fachchinesisch wird anschließend in kurzen satirischen Einspielern anschaulich erklärt, z.B. von Margot Robbie, die im Schaumbad ihren Champagner schlürft, oder von Selena Gomez am Roulette-Tisch.

Auch wenn dem Publikum während dieser rasanten, von ZEIT Online als „adrenalgeschwängert“ bezeichneten Parforce-Tour durch die Welt des Finanz-Turbokapitalismus die Begriffe manchmal nur so um die Ohren fliegen, ist die Botschaft dieses lohnenden Psychogramms der Banker-Welt allgemein verständlich und leider zutreffend: Als die Krise eintrat, wurden die Verluste sozialisiert, die Gewinne privatisiert. Ein großes Umdenken hat aber nicht stattgefunden, das Casino bleibt geöffnet, es darf weiter gezockt werden.

„The Big Short“ startete bereits am 15. Januar in den deutschen Kinos und bekam einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch (nach dem oben erwähnten Bestseller von Michael Lewis).

Webseite und Trailer zu „The Big Short“

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