„Traumboy“: Daniel Hellmann plaudert aus dem Alltag eines Sexarbeiters

Der Schweizer Daniel Hellmann beginnt seine „Traumboy“-Performance zu Frl. Menkes Neue Deutsche Welle-Ohrwurm mit einer Runde auf seiner Schaukel.

Dann wendet er sich dem Publikum zu: Viele Freunde und Bekannte seien heute im Publikum. Deshalb sei er diesmal vor seinem Solo-Abend „Traumboy“, der im Juni 2015 in Zürich Premiere hatte und beim „My Body is my Business“-Festival in den Sophiensaelen zu Gast war, besonders nervös. Er berichtet darin über seine Arbeit als Escort.

Er lädt die Zuschauer ein, ihn per SMS alles zu fragen, was sie schon immer über Sexarbeit wissen wollten. Um das Eis zu brechen, plaudert er erst mal los. Mit 23 habe er seinen ersten Kunden empfangen. Ein ganz furchtbares Erlebnis sei das gewesen. Augen zu und durch, danach habe er sich aber mit einem neuen Paar Schuhe belohnen müssen. Betretenes Schweigen im Saal. Nach kurzer Pause grinst Hellmann: Haben Sie das jetzt wirklich geglaubt? Nein, das erste Mal sei ganz entspannt gewesen. Seine Kunden seien häufig Familienväter mit Ehering, einer habe sogar den Kinderwagen zum Date mitgebracht. Viele seien schüchtern. Seine wichtigste Aufgabe sei es, ihnen die Scheu zu nehmen.

Während der 90 Minuten lässt Hellmann in der Schwebe, ob er tatsächlich neben seinen Auftritten als Schauspieler und Tänzer sein Geld mit Sexarbeit verdient. Die Fragen aus dem Publikum prasseln mittlerweile herein: Ob er schon mal ein Date abbrechen musste? Ob er sich schon mal in einen Kunden verliebt habe oder dies umgekehrt passiert sei? Ob es schon mal Streit um das vereinbarte Honorar gab? Ob er denn auch schlucke?

Eloquent und meist differenziert antwortet Hellmann darauf. Im Zentrum des Abends stehen die privaten Konsequenzen für einen Escort: anfangs habe er heimlich gearbeitet und Legenden erfunden, wie er zu Geld gekommen sei. Jetzt wisse jeder Bescheid, aber sein Vater habe es empört abgelehnt, zur Premiere zu kommen und auch eine enge Freundin der Familie, die seine Mentorin in der Theaterwelt gewesen sei, habe überhaupt nicht mit seiner Sexarbeit umgehen können.

Die politischen Rahmenbedingungen wie z.B. das neue Prostitutionsschutzgesetz werden nur gestreift. Hellmann berichtet aus der privilegierten Position eines Akademikers, der noch ein zweites berufliches Standbein hat und die Treffen auf Online-Plattformen anbahnt. Andere Aspekte der Sexarbeit, die im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte stehen, wie Zwangsprostitution migrantischer Frauen und der Straßenstrich, spielen an diesem „Traumboy“-Abend keine Rolle.

Im letzten Drittel des Abends dreht Hellmann den Spieß um und pickt Leute aus dem Publikum heraus: Könnten Sie sich vorstellen, Escorts zu bezahlen oder selbst Sexarbeit zu leisten? Haben Sie schon mal versucht, mit Sex eine Beziehung zu retten? Bevor Hellmann im Bühnenhintergrund verschwindet, reicht er das Mikrofon ins Publikum: im Karaoke-Stil werden Einträge aus seinem Gästebuch vorgelesen, die sich für das tolle Date bedanken und von seinen körperlichen Vorzügen schwärmen.

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