Berlinale – Panorama

Das Panorama präsentiert in diesem Jahr 18 Spielfilme im Hauptprogramm, 16 im Panorama Special und 20 in der Reihe Panorama Dokumente. Von den Filmen aus 29 Ländern sind 31 Filme Weltpremieren, 18 sind Erstlingswerke.

Eröffnungsfilme

Das Panorama Hauptprogramm eröffnet am 11. Februar mit dem russischen Film Veselchaki von Felix Mikhailov. Die klandestine Subkultur eines Moskauer Transgenderkabaretts ist Spiegel einer zutiefst homophoben Gesellschaft. Der Blick in die Herkunftsfamilien der Performer zeigt, welcher Anstrengung jedes Einzelnen es bedarf, daran nicht zu zerbrechen. Aber die Protagonisten lernen sich zu wehren.

Panorama Special eröffnet am 12. Februar mit Kawasakiho růže des Tschechen Jan Hřebejk. Er widmet sich einem dunklen Kapitel der jüngeren Geschichte: Korruption, Opportunismus und Pragmatismus nach der Dubček-Ära gehen die unselige Koalition ein, die noch jede Revolution zunichte machte. Der Film entfaltet eine Familiengeschichte, wenn die Tochter dem angesehenen Vater schmerzhafte Fragen stellt. Aber um Wahrheit und Vergebung geht es, nicht um Rache.

Panorama Dokumente zeigt am 12. Februar mit dem Film David Wants To Fly ein Lehrstück über organisierte Verblendung, relevant vor dem Hintergrund aufstrebender Religiösität weltweit. Der junge Berliner Filmemacher David Sieveking begibt sich auf die Suche nach dem tieferen Sinn der Begeisterung seines Idols für Meditation. Dabei gelangt er von Holland über die USA bis Indien und zurück auf den Berliner Teufelsberg.

Themenschwerpunkte

Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart spielt im Panorama-Programm eine starke Rolle in Spiel- und Dokumentarfilm. So befinden sich in Son Of Babylon ein Junge und seine Großmutter auf der Suche nach dessen im letzten Golfkrieg verschollenen Vater und entdecken die Gräuel der jüngsten irakischen Geschichte. In Red Hill werden die in der Vergangenheit liegenden verbrecherischen Machenschaften einer rassistischen Polizeimafia aus dem australischen Hinterland ans Tageslicht gezerrt. Ob in der brasilianischen Favela (Bróder!) oder im Leben einer Deutschtürkin in der Türkei (Die Fremde), ob in der taiwanesischen Kleinstadt (Monga), in der französischen Landadelsvilla (L’arbre et la forêt) oder zur Adenauerzeit der jungen Bundesrepublik (Fritz Bauer, Dokumentarfilm): die verheerenden Auswirkungen der Kombination von Pragmatismus, Opportunismus und Korruption werden in einer ganzen Reihe von Filmen deutlich – sei es auf das persönliche Leben der Protagonisten oder auf ganze Gesellschafts-entwicklungen bezogen.

Panorama Dokumente

Neben den politischen Rückblicken wie Shtikat Haarchion, der auf ungeschnittenem Material eines Nazi-Propagandafilms basiert, Red, White & The Green zu den letzten Wahlen im Iran oder Cuchillo de Palo, der das Schweigen in Paraguay über die Homosexuellenverfolgung zur Diktaturzeit bricht, gibt es auch solche der cinematografischen Art: Blank City, in dem sich die US-Avantgarde der 70er und 80er-Jahre versammelt, von Amos Poe bis John Waters, von Urahn Jack Smith über Eric Mitchell und Lizzie Borden bis Richard Kern und Lydia Lunch, die an spektakuläre Berlinale-Auftritte erinnern. Oder Daniel Schmid – Le chat qui pense: eine Hommage an den Schweizer Filmkünstler, in der es ein Wiedersehen mit den Größen des deutschen 70er-Jahre-Kinos gibt, Inspiratoren bis heute: von Fassbinder über Ingrid Caven und Werner Schroeter bis zu Peter Kern. Des Weiteren präsentiert die Reihe Werke über Rock Hudson und seine Rolle als AIDS-Aktivist der ersten Stunde, über Candy Darling, den tragischen Andy Warhol-Superstar und den Film über den legendären, politisch brisanten Broadway-Erfolg des Mart Crowley-Stücks „The Boys In The Band“, das von William Friedkin 1969 verfilmt wurde: Making The Boys.

PanoramaPublikumsPreis PPP

Weit über 20.000 Zuschauer nehmen daran teil und küren ihren Favoriten, der am letzten Tag des Festivals zur Preisverleihung aufgeführt wird. Der Preis wird seit 1999 in Zusammenarbeit mit radioeins und tip Magazin organisiert.

Der 24. TEDDY – Queer Film Award auf der Berlinale wird am Freitag den 19. Februar 2010 in der STATION Berlin vergeben. Das Motto "Mein Name ist Mensch" ist einem Ton Steine Scherben-Song entlehnt: Sänger, Texter und Schauspieler Rio Reiser wird mit einer Hommage geehrt. Der Special TEDDY für das Lebenswerk wird dem Filmemacher und großen Inspirator Werner Schroeter verliehen. www.teddyaward.tv

Es folgt die Titelliste in Ergänzung zur ersten Panorama – Pressemitteilung, die Sie unter www.berlinale.de abrufen können:

PANORAMA HAUPTPROGRAMM

Barriere von Andreas Kleinert, Deutschland (WP)

mit Volkram Zschiesche, Klara Manzel, Jan Dose, Julia Gorr, Matthias Habich

Due Vita per caso (One life maybe two) von Alessandro Aronadio, Italien (WP)

mit Lorenzo Balducci, Isabella Ragonese, Ivan Franek, Sarah Felberbaum

Fucking Different São Paulo von Rodrigo Diaz Diaz, Luiz René Guerra, Sabrina Greve, Joana Galvão, Monica Palazzo, Max Julien, Ricky Mastro, René Guerra, Silvia Lourenço, Gustavo Vinagre, Herman Barck, Luciana Lemos, Elzemann Neves, Deutschland/Brasilien

Propavshyi bez vesty (Missing Man) von Anna Fenchenko, Russische Föderation

mit Andrey Filippack, Rasim Djafarov, Polina Kamanina, Ludmila Geroeva, Yuris Lautsinsh

Red Hill von Patrick Hughes, Australien (WP)

mit Ryan Kwanten, Steve Bisley, Tom E. Lewis

The Owls von Cheryl Dunye, USA (WP)

mit Guinevere Turner, Lisa Gornick, V.S. Brodie

Veselchaki (Jolly Fellows) von Felix Mikhailov, Russische Föderation

mit Renata Litvinova, Ingeborga Dopkunaite, Danila Kozlovsky, Alexey Klimushkin, Alexander Mokhov, Mazia Shalaeva

Zona Sur (Southern District) von Juan Carlos Valdivia, Bolivien

mit Ninón Del Castillo, Pascual Loayza, Nicolás Fernández, Juan Pablo Koria, Mariana Vargas

PANORAMA SPECIAL

Bróder! (Broder!) von Jeferson De, Brasilien

mit Caio Blat, Jonathan Haagensen, Silvio Guindane, Cássia Kiss, Ailton Graça

Die Fremde (When We Leave) von Feo Aladag, Deutschland (WP)

mit Sibel Kekilli, Florian Lukas, Derya Alabora, Tamer Yigit

Mine vaganti (Loose Cannons) von Ferzan Ozpetek, Italien (WP)

mit Riccardo Scamarcio, Nicole Grimaudo, Alessandro Preziosi, Ennio Fantastichini, Lunetta Savino

Monga von Doze, Niu Chen-Zer, Taiwan (WP)

mit Ethan Juan, Mark Chao, Ma Ju-lung, Ko Chia-yen

Open von Jake Yuzna, USA (WP)

mit Gaea Gaddy, Tempest Crane, Morty Diamond, Daniel Luedtke

Paha perhe (Bad Family) von Aleksi Salmenperä, Finnland

mit Ville Virtanen, Lauri Tilkanen, Pihla Viitala

Reinventing Robert Axle von Trent Cooper, USA (WP)

mit Kevin Spacey, Camilla Belle, Heather Graham, Johnny Knoxville, Virginia Madsen

Welcome To The Rileys von Jake Scott, USA (WP)

mit James Gandolfini, Kristen Stewart, Melissa Leo

PANORAMA DOKUMENTE

Arias With A Twist The Movie von Bobby Sheehan, USA (WP)

mit Joey Arias, Basil Twist

Blank City von Céline Danhier, USA

Budrus von Julia Bacha, USA

Cuchillo de palo (108) von Renate Costa, Spanien (WP)

Daniel Schmid – Le chat qui pense von Pascal Hofmann, Benny Jaberg, Schweiz (WP)

mit Ingrid Caven, Werner Schroeter, Renato Berta, Shiguéhiko Hasumi, Bulle Ogier

David Wants To Fly von David Sieveking, Deutschland/Österreich/Schweiz, (WP)

Friedensschlag – Das Jahr der Entscheidung (To Fight For – The Year of Decision) von Gerardo Milsztein, Deutschland (WP)

Fritz Bauer – Tod auf Raten (Death By Instalments) von Ilona Ziok, Deutschland (WP)

I Shot My Love von Tomer Heymann, Israel/Deutschland (WP)

New York Memories von Rosa von Praunheim, Deutschland (WP)

Red, White & The Green von Nader Davoodi, Iran

Rock Hudson – Dark And Handsome Stranger von Andrew Davies, André Schäfer, Deutschland (WP)

Shtikat Haarchion (A Film Unfinished) von Yael Hersonski, Israel

PANORAMA VORFILME

Covered von John Greyson, Kanada

Herbert White von James Franco, USA

mit Michael Shannon

Last Address von Ira Sachs, USA

The Feast Of Stephen von James Franco, USA

mit Remy Germinario, Ty Anania, Louis Anania, Phil Naess, Theo Saluan

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Über Konrad Kögler

In unserem Kulturblog schreibt /e-politik.de/ – Autor Konrad Kögler Rezensionen über Film, Theater, Lesungen, Gespräche, Kabarett, Konzerte, Oper und Tanz. Außerdem gibt es auf dem Twitter-Account @daskulturblog Hinweise auf Lesenswertes in Feuilletons und politischen Magazinen.

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