„Iranien“: gescheiterter Dialog mit den Mullahs

Mehran Tamadon lebt mit seiner Familie seit Jahren im Exil in Paris und machte 2009 mit dem Dokumentarfilm Bassidji über die loyalen Revolutionsgarden auf sich aufmerksam. Schon seit längerer Zeit arbeitete er an seinem nächsten spannenden Projekt: er wollte mit Klerikern vor laufender Kamera über die Grundlagen der iranischen Theokratie und alternative Gesellschaftsmodelle sprechen. Das Regime signalisierte früh und eindeutig, dass ein solcher Film nicht erwünscht sei, Gesprächspartner sagten ihm reihenweise ab, bis das Projekt im vergangenen Jahr doch noch heimlich verwirklicht werden konnte.

Tamadon reiste in den Iran und traf sich in seinem abgelegenen Landhaus mit vier Klerikern, ihr Wortführer ist ein süffisant lächelnder und sehr geschickt argumentierender bärtiger älterer Geistlicher. Tamadon gerät schnell in die Defensive. Als er die Verschleierung von Frauen in Frage stellt, kontern die Mullahs, auf welches allgemein verbindliche Wertefundament er seine säkularen Vorstellungen stellen wolle. Er weiß ihnen wenig entgegenzuhalten, als sie ihm Faschismus und Diktatur vorwerfen. Auch als es um Abtreibung und die Musik von weiblichen Sängerinnen geht, beißt sich Tamadon die Zähne aus.

Iranien ist ein spannender Dialogversuch, der krachend scheitert. Von iranischen Oppositionellen erntete Tamadon wütende Kritik, das Regime fühlt sich endgültig herausgefordert und erklärte, dass sie beim nächsten Einreiseversuch nach Teheran seinen Pass einziehen und ihn verhaften werden. Der Regisseur sitzt also zwischen allen Stühlen.

Fazit: Trotz einiger Längen dokumentiert der Film einen interessanten Dialogversuch, der an der Asymmetrie (vier gegen einen) und der Naivität des Protagonisten scheitert.

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