„The Unknown Known“: sehenswerte Rumsfeld-Doku

Wir hatten ihn schon fast vergessen: Donald Rumsfeld, Verteidigungsminister der Administration von George W. Bush. Sein maliziöses Lächeln, mit dem er bei den Pentagon-Pressekonferenzen mit den Journalisten scherzte. Die Chuzpe, mit der er über die Haftbedingungen in Guantánamo sprach. Die Vehemenz, mit der er vor angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak und Saddam Husseins Verbindungen zu alQaida warnte. Der sarkastische Tonfall, in dem er Old Europe abkanzelte.

In den knapp 100 Minuten von The Unknown Known ist all dies wieder zu erleben. Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Errol Morris, der 2003 für sein Interview The Fog of war mit dem Vietnamkriegs-Veteranen Robert McNamara mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, überredete Rumsfeld zu einem ausführlichen Gespräch vor der Kamera. Gelassen und selbstbewusst reflektiert Rumsfeld die Stationen seiner Karriere, sein gemeinsamer Aufstieg mit seinem Kumpel Dick Cheney in den Administrationen von Nixon und Ford Mitte der 70er Jahre, seine Niederlage im Wettstreit um den prestigeträchtigen Posten als running mate und Vize-Präsidenten-Kandidat von Ronald Reagan (er zog gegen Bush senior den Kürzeren) und vor allem die Zeit, als er nach 9/11 als graue Eminenz im Pentagon die Fäden zog.

The Unknown Known ist ein sehenswerter Dokumentarfilm, das Archivmaterial ist glänzend ausgewählt und weckt manche Erinnerungen, der Fragestil von Morris entlockt Rumsfeld interessante Antworten.

Er argumentiert immer klar und präzise, aber das Selbstbewusstsein, mit dem er sich acht Jahre nach seinem Rücktritt im Dezember 2006 (George W. Bush brauchte damals einen Sündenbock für die Gewaltspirale im Irak und die Niederlage bei den Kongresswahlen) als Sieger der Geschichte fühlt, überrascht dann doch: Obama habe in zwei Wahlkämpfen gegen Guantánamo, die military commissions und den war on terror gewettert. Aber in der Praxis habe er alle Instrumente beibehalten. Dann könne die Politik der Neocons um Bush also doch nicht so falsch gewesen sein, oder?, fragt Rumsfeld grinsend in die Kameras.

Fazit: Einer der Höhepunkte der Berlinale 2014

Nachtrag: Der Film startete am 3. Juli 2014 in den deutschen Kinos

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