Afghanistan-Drama „Zwischen Welten“ polarisiert

Feo Aladags Wettbewerbs-Beitrag Zwischen Welten wurde bei der Pressevorführung ausgebuht, bekam aber nach der Publikums-Vorführung im Haus der Berliner Festspiele freundlichen Applaus.

Mit ihrem zweiten Film wollte die Regisseurin ein starkes politisches Statement abgeben. Den knapp 100 Minuten, die an Original-Schauplätzen in Afghanistan gedreht wurden, merkt man deutlich an, wie intensiv sich Aladag (Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin) in ihr Projekt eingearbeitet hat. Die Liste der Danksagungen an Gesprächspartner im Abspann liest sich wie ein Who is who der Sicherheits- und Außenpolitik.

Im Zentrum ihres Films steht das brisante Problem, wie Deutschland mit den afghanischen Ortskräften umgeht, die seit Jahren als Dolmetscher für NATO-Truppen arbeiten. Politikmagazine wie Monitor berichten seit längerem über die restriktive Linie der deutschen Behörden, den Afghanen, die nach dem schrittweisen Abzug der Bundeswehr als Verräter beschimpft werden und in großer Gefahr sind, Schutz und Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.

Der Film erzählt aus der Perspektive des Dolmetschers Tarik (Mohsin Ahmady in seiner ersten Rolle). Es stimmt leider, dass die Konflikte zwischen ihm und den deutschen Soldaten und auch innerhalb der deutschen Truppe (Ronald Zehrfeld als Jasper gegen Burghart Klaußner als Oberst Haar) vorhersehbar und auch etwas zu schwarz-weiß gezeichnet sind. Deshalb war es keine gute Entscheidung, den Film in den prestigeträchtigen Wettbewerb um den Goldenen Bären aufzunehmen.

Der Film hat aber dennoch seine Berechtigung auf diesem Festival. Die ZDF/arte-Ko-Produktion wäre wie Aladags Debüt Die Fremde (2010 im Panorama) in einer der Nebenreihen besser aufgehoben gewesen.

Fazit: Zwischen Welten mag zwar kein cineastischer Meilenstein sein und einige Schwächen haben, aber er hat das Verdienst, dass er ein wichtiges Thema ins Bewusstsein holt, das von den politisch Verantwortlichen sonst verdrängt werden könnte.

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