Scheiternde Beziehungen: Uma Thurman und „Land of Storms“

Uma Thurman spielte sich mit einem fulminanten Auftritt in ihrer Nebenrolle als verlassene Ehefrau Mrs. H ins Zentrum von Lars von Triers Nymphomaniac. Es ist großes Kino, wie sie mit ihren drei Söhnen im Schlepptau in der neuen Wohnung ihres Ex-Manns und seiner neuen Geliebten auftaucht und ihnen mit passiv-aggresiven, subtilen Bemerkungen ein schlechtes Gewissen macht.

Die restlichen zweieinhalb Stunden dieses Films konnten das Niveau dieser gelungenen Miniatur nicht ganz halten. Der Film erntete dennoch freundlichen Schluss-Applaus zu den Rammstein-Klängen und zwischendurch einige Lacher, z.B. für die amüsante Schilderung eines Wettstreits von zwei Teenagerinnen, wer auf einer Zugfahrt mehr Männer aufreißen kann und dafür mit einer Packung Schoko-Bonbons belohnt wird. An einigen Stellen wirkt von Triers Film überkonstruiert: dass sich die Irrwege seiner nymphomanischen Hauptdarstellerin Joe (Charlotte Gainsbourg) immer wieder mit Jerome (Shia LaBeouf) kreuzen, wirkt unglaubwürdig und wenig subtil.

Nymphomaniac. Volume I lief im Berlinale-Palast am Sonntag außer Konkurrenz. Er startet bundesweit am 20. Februar in den Kinos, der zweite Teil folgt im April.

Mit scheiternden Liebesbeziehungen befasst sich auch der ungarische Regisseur Ádám Császi mit seinem Spielfilm-Debüt Viharsarok/Land of Storms. Mutig verknüpft er zwei Tabuthemen: Erstens Homosexualität im Fußball, die lange totgeschwiegen und für unvorstellbar gehalten wurde, bis Thomas Hitzlsperger mit seinem ZEIT-Interview kurz vor der Berlinale für Schlagzeilen sorgte. Zweitens das gesellschaftliche Klima in Ungarn, das von einer autoritären, rechtspopulistischen Regierungspartei und einer aggressiven Politik gegen Minderheiten seit Jahren bei den EU-Partnern für Kopfschmerzen, aber ansonsten hilflose Reaktionen sorgt.

Cszászis erster Langfilm ist über die Strecke von 105 Minuten noch nicht ganz rund, der Regisseur demonstriert aber vielversprechendes Potenzial. Für seine Kurzfilme wurde er schon mit nationalen Preisen in Ungarn ausgezeichnet.

Bemerkenswert ist, dass diese komplizierte Dreiecks-Liebes- und Eifersuchts-Geschichte tief in die beschriebenen Milieus eintaucht: Uwe Lauer spielt überzeugend den Fußball-Trainer mit gewöhnungsbedürftigen Schleifer-Methoden, die bedrohliche Stimmung in der deutschen Fußball-Kabine und anschließend in der ungarischen Provinz wird gut eingefangen.

Der Regisseur erzählte im Publikumsgespräch, dass der Film auf einer wahren Begebenheit  2007 in Ungarn beruht. Allerdings hat er die Realität etwas redigiert und deutlich entschärft, so dass er auf den brutalen Doppelmord (der Täter zerstückelte die beiden anderen Männer in dieser Dreiecks-Geschichte) verzichtet hat.

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Über Konrad Kögler

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