„True Story“: James Franco contra Jonah Hill, dennoch schleppt sich der Film dahin

Wenn James Franco seine Augen funkeln und sein Können aufblitzen lässt, sind das die raren Momente in Rupert Goolds Film True Story, in denen man denkt: Ja, dieser Film hätte gelingen können! Er hat vieles, was ein guter Psychothriller braucht: 1.) starke Hauptdarsteller – Francos Gegenpart ist Jonah Hill, der spätestens seit seiner Oscar-Nominierung für die Nebenrolle als Winkeladvokat in Scorseses Wolf of Wall Street zu den vielversprechenden Talenten in Hollywood zählt. 2.) ein Plot, der nicht nur auf einer wahren Begebenheit beruht, sondern geradezu nach einer Verfilmung schreit.

Was hätte dieser Plot nicht alles zu bieten: einen rätselhaften Mann unter Mordverdacht, der seine ganze Familie umgebracht hat (Franco als Christian Longo), einen ehemaligen Starreporter, der mit den Grundsätzen journalistischer Ethik in Konflikt kam und mitten in einer Sinnkrise steckt (Hill als New York Times-Journalist Michael Finkel), eine gestohlene Identität. Das wären Steilvorlagen für ein raffiniertes Katz- und Maus-Spiel.

Was bekommt das Publikum stattdessen geboten? Schwache Dialoge, kaum Spannung und vor allem einen Hollywood-Klangteppich, der alles zukleistert. Die Schlusspointe im Abspann und die wenigen Szenen, in denen Franco und Hill den nötigen Freiraum bekommen, sich ein Duell zu liefern, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Kinodebüt des Theaterregisseurs Rupert Goold statt eines spannenden Kammerspiels nur mittelmäßige Durchschnittsware liefert.

True Story, USA 2015 – Regie: Rupert Goold. – Drehbuch: Rupert Goold und David Kajganich, basierend auf dem Buch von Michael Finkel. – Kamera: Masanobu Takayanagi. – Mit: Jonah Hill, James Franco, Felicity Jones. – Fox, 99 Minuten. – Kinostart: 6. August 2015

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Über Konrad Kögler

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