„La voie de l´ennemi“: Schwarz-Weiß-Zeichnung der Figuren

Rachid Bouchareb ist nach London River (2009) wieder im Berlinale-Wettbewerb vertreten: La voie de l´ennemi (Two men in town) ist ein Remake von José Giovannis Krimi Deux hommes dans la ville (von 1973, mit Alain Delon und Jean Gabin) und mit Forest Whitaker, Harvey Keitel und Brenda Blethyn so prominent besetzt, dass er auch gleich am von Regisseuren und Produzenten begehrten und heiß umkämpften Eröffnungs-Wochenende läuft.

Dieses Drama startet mit der interessanten Grundidee, am Fall des wegen guter Führung vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassenen Mörders William Garnett (Whitaker) zwei unterschiedliche rechtsphilosophische Standpunkte auf einander prallen zu lassen.

Auf der einen Seite steht die Bewährungshelferin Emily Smith (Blethyn), die aus Kansas nach New Mexico gezogen ist und ihren neuen Kollegen predigt, dass man den Ex-Häftlingen Vertrauen entgegen bringen und sie behutsam begleiten muss. Wie klischeehaft die Figuren-Zeichnung gerät, zeigt schon das kleine Detail, dass die sanftmütige Linksliberale abends gerne auf ihrer Terrasse französische Chansons hört. Ihr archetypischer Antipode ist Sheriff Bill Agati (Keitel), ein Südstaaten-Redneck, der Law and Order predigt und – wo er nur kann – neue Perspektiven des Ex-Häftlings (als Hilfsarbeiter auf einer Farm oder bei einer sich anbahnenden Liebesbeziehung mit einer Bankangestellten) sabotiert. Der Sheriff hat Garnett bis heute nicht verziehen, dass er vor 18 Jahren seinen engsten Mitarbeiter erschossen hat.

Interessant ist noch, dass Bouchareb die Handlung aus seiner französischen Heimat nach New Mexico verlegt hat. Daraus macht er allerdings recht wenig, abgesehen von der eindrucksvollen Hubschrauber-Aufnahme auf die hochgesicherte Grenzanlage zwischen Mexiko und den USA.

Fazit: Das Drama hat ein ungewohnt langsames Tempo und leidet an der zu klischeehaften Darstellung seiner verhandelten Konflikte. Mit 2 Stunden ist der Film auch etwas zu lang geraten.

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Über Konrad Kögler

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