Augstein und Minkmar im Gorki/Freitag-Salon über „Zirkus“

Zwei Journalisten, die sich politisch links der Mitte verorten und duzen, aber für sehr unterschiedliche Medien arbeiten, diskutierten am 22. Januar im Foyer des Gorki-Theaters über den Wahlkampf-Zirkus und die Lage der SPD nach ihrem 150. Geburtstag: Jakob Augstein, Sohn der SPIEGEL-Legende und Verleger der Wochenzeitung Der Freitag, der aus seiner Sympathie für ein Rot-Rot-Grünes Bündnis (R2G) auch an diesem Abend keinen Hehl machte, und Nils Minkmar, der 2001 an der Gründung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beteiligt war und als Leiter des Feuilletons der FAZ interessante Kontrapunkte zur bürgerlich-konservativen Linie der Politik- und Wirtschaftsressorts setzt.

Die Grundstimmung des Gesprächs der beiden Journalisten war von Melancholie geprägt. Minkmar berichtete von seinen Erfahrungen als embedded journalist in Peer Steinbrücks Kampagnen-Team, die er auch in dem vielbeachteten Buch Der Zirkus. Ein Jahr im Innersten der Politik verarbeitete. Im Rückblick auf den verkorksten Wahlkampf schildert er, dass er zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt habe, dass Steinbrück eine reale Chance auf den Einzug ins Kanzleramt  habe, auch wenn er ihm attestiert, dass er sicher das Format dazu hätte. 

Sehr umstritten ist Minkmars Analyse, dass der Kardinalfehler Steinbrücks aus seiner Sicht daran gelegen habe, dass er von vornherein Machtoptionen wie ein Bündnis mit den Linken und eine Vizekanzlerschaft in der GroKo unter Merkel für sich ausgeschlossen habe. Minkmar fand für den Umgang der Medien mit dem Kanzlerkandidaten scharfe Worte: Mit ihm sei der Boden gewischt worden.

Der Ausblick von Minkmar und Augstein auf die kommenden 4 Jahre fiel auch eher trist aus: Sie prognostizierten, dass Merkel gezielt versuchen werde, einen Keil zwischen Steinmeier und Gabriel zu treiben.

Für alle, die diese Veranstaltung verpasst haben, gibt es eine neue Chance: Nils Minkmar wird über sein Buch auch im Streitraum an der Schaubühne mit Carolin Emcke am Sonntag, 16. Februar, unter dem Titel Politik der Gefühle – Gefühle der Politik sprechen.

Im nächsten Freitag-Salon wird Jakob Augstein die Grüne Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth am Sonntag, 23. Februar, unter dem Titel Grün ist die Hoffnung: Wohin steuert die einst exotische Partei? zu Gast haben.

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Über Konrad Kögler

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