Michael Keaton als „Birdman“: 9 Oscar-Nominierungen für ein sarkastisches, phantasievolles Spektakel

Michael Keaton erlebte den Höhepunkt seiner Karriere, als ihn Tim Burton 1989 als Batman auswählte. Nach Batman Returns wurde es allmählich ruhiger um den US-amerikanischen Schauspieler, der in den vergangenen Jahren meist nur noch in TV-Serien besetzt wurde.

Dieses Schicksal teilt Keaton mit seiner Filmfigur Riggan Thomson, die er in Alejandro González Iñárritus neuem Film Birdman verkörpert: Nach dem großen Merchandising-Rummel um ihre Titelrolle in einer Comic-Verfilmung, die viele Jahre zurückliegt, gerieten sie weitgehend in Vergessenheit. Die Eltern schwärmen nostalgisch von ihren Kino-Erinnerungen an Birdman alias Batman und möchten ein Selfie, während die Kinder verständnislos danebenstehen. Thomson alias Keaton zieht die Notbremse und plant ein Comeback: er sehnt sich danach, wieder im Rampenlicht zu stehen und möchte vor allem endlich als ernstzunehmender Schauspieler wahrgenommen zu werden. Deshalb versucht er sich am New Yorker Broadway als Regisseur und Hauptdarsteller einer Bühnenadaption von Raymond Carvers Kurzgeschichte What We Talk About When We Talk About.

Das Unternehmen droht dank der völlig untalentierten Schauspieler in einem völligen Fiasko zu enden, weshalb Thomson zähneknirschend zustimmt, mit Mike Shiner (Edward Norton) einen echten Theater-Profi zu engagieren, der aber neben seinem Können auch eine Menge Starallüren, Intriganz und Unberechenbarkeit in das ohnehin schon labile Kräfteverhältnis der Theater-Company mitbringt.

Birdman von Regisseur und Drehbuchautor González Iñárritu ist eine sarkastische Abrechnung mit beiden Welten: sowohl das Blockbuster-Kino, das mit einfachen Plots, viel Action und einem Maximum an Technik auf das globale Teenie-Publikum abzielt, als auch die elitär-versnobbte Welt des Theaters, für die hier neben Shiver alias Norton vor allem eine Kritikerin der New York Times steht, werden in diesem phantasievollen Film hart kritisiert.

Bei den Golden Globes wurde der Film, der seine Weltpremiere im September 2014 in Venedig feierte, mit zwei Hauptpreisen ausgezeichnet (bester Komödien-Hauptdarsteller, bestes Drehbuch). Ins Rennen um die Oscars geht Birdman mit 9 Nominierungen als einer der großen Favoriten.

Birdman. – Regie: Alejandro González Iñárritu. – USA 2014. – 119 Minuten. – Kinostart: 29. Januar 2015

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Über Konrad Kögler

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2 Gedanken zu „Michael Keaton als „Birdman“: 9 Oscar-Nominierungen für ein sarkastisches, phantasievolles Spektakel

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