Benedict Cumberbatch entschlüsselt „Enigma“ in Morten Tyldums „The Imitation Game“, Anke Engelke karikiert Helikopter-Eltern in Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“

Die Rolle des eigenbrötlerischen, aber genialen Mathematikers Alan Turing ist dem britischen Schauspieler Benedict Cumberbatch wie auf den Leib geschrieben. Ähnlich wie in der BBC-Serie Sherlock verkörpert er auch in The Imitation Game einen Hochbegabten, dessen Intelligenz seiner Umgebung überlegen ist und der sich im alltäglichen sozialen Zusammenleben oft sichtlich schwer tut.

In einer Mischung aus Geschichtsdrama und Biopic zeichnet der Film die Geschichte des Teams nach, das während des Zweiten Weltkriegs fieberhaft und letztlich erfolgreich daran arbeitete, die Codes der Enigma-Maschine zu dechiffrieren, mit denen die Nazis ihre Botschaften verschlüsselten und Angriffswellen planten.

Im Kern handelt es sich um eine wahre, spannende Geschichte, die manchmal allzu pathetisch, aber insgesamt überzeugend erzählt wird. Tobias Kniebe argumentiert in seiner SZ-Rezension, dass es Regisseur Morten Tyldum und Drehbuchautor Graham Moore an einigen Stellen mit der historischen Wahrheit nicht sehr genau nehmen: eine weibliche Figur wurde „stark überhöht“ und mit Keira Knightley publikumswirksam besetzt. Auch bei der Heureka-Szene in einem Pub stand der Wunsch nach einer möglichst dramatischen Verdichtung des Stoffes im Vordergrund.

Den Geschmack der Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat The Imitation Game mit einigen Zugeständnissen an das Mainstream-Publikum getroffen: der Film geht mit Nominierungen in acht Kategorien ins Oscar-Rennen. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg für die erste internationale Produktion des norwegischen Regisseurs Morten Tyldum, der bisher vor allem auf Verfilmungen des Thriller-Bestsellerautors Jo Nesbø spezialisiert war.

Alan Turings Verhaftung im Jahr 1952 wegen einer homosexuellen Affäre mit einem 19jährigen und seine anschließende Behandlung mit Elektroschocks wurde in diesem Film nicht verschwiegen, sondern mittels Vor- und Rückblenden an einigen Stellen in die Handlung eingebaut. Diese einschneidende Erlebnis kurz vor seinem Tod spielt jedoch in diesem Film nicht die zentrale Rolle. Erst im Abspann erfahren die Zuschauer, dass Turing im Dezember 2013 auf Vorschlag des britischen Justizministers von der Queen posthum begnadigt und rehabilitiert wurde.

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben von Morten Tyldum. – USA/Großbritannien 2014.- 114 Minuten.- Kinostart: 22. Januar 2015

Lutz Hübners
Theaterstück Frau Müller muss weg sorgt seit der Uraufführung 2010 in Dresden bundesweit an vielen Bühnen wie dem Berliner Grips-Theater für Furore und wurde nun von Sönke Wortmann für die Kino-Leinwand adaptiert.

Mit bitterbösem Blick karikiert dieser Film überehrgeizige Helikopter-Eltern, die kurz vor Notenschluss Panik bekommen, ob ihre Sprösslinge den Übertritt auf das Gymnasium tatsächlich schaffen. Angeführt von der Elternsprecherin (Anke Engelke) stürmen sie wutentbrannt in die Sprechstunde der lebensklug-gewitzten Lehrerin (Gabriela Maria Schmeide) und fordern sie auf, die Klasse abzugeben.

Die Handlung eskaliert früh, manches ist absehbar und die Figuren sind sehr plakativ gezeichnet. Die Frau Müller muss weg-Verfilmung schielt manchmal zu sehr auf Knalleffekte und die nächste Pointe, wie die FAZ zurecht kritisierte. Er kann auch sicher nicht mit Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas Der Gott des Gemetzels in Hollywood-Starbesetzung mithalten, an den einige Passagen erinnern. Dennoch versteht es der Film, sein Publikum zu unterhalten und den Helikopter-Eltern den Spiegel vorzuhalten.

Frau Müller muss weg von Sönke Wortmann nach dem Theaterstück von Lutz Hübner. – Deutschland 2015. – 84 Minuten. – Kinostart: 15. Januar 2015

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Über Konrad Kögler

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