Schaubühne im Müggelwald: „Forest: The Nature of Crisis“

Während die meisten großen Bühnen noch in Theaterferien sind und sich auf die neue Spielzeit vorbereiten, setzt die Berliner Schaubühne Akzente: Vor wenigen Wochen ließ bereits die Meldung aufhorchen, dass Nina Hoss vom Ensemble des Deutschen Theaters aus Mitte an den Lehniner Platz in Charlottenburg-Wilmersdorf wechselt.

Mit großer Aufmerksamkeit wurde in den Feuilletons auch ein Ausflug von Constanza Macras in den Müggelwald an der südöstlichen Stadtgrenze Berlins verfolgt: An mehreren Abenden wurden jeweils knapp 100 Besucher (eine bunte Mischung aus Mitte-Hipstern, Touristen, Alt-68ern und klassischen Bildungsbürgern) durch den Rübezahl-Wald gelotst und dabei von einem jungen Mann mit Wolfsmaske zur Eile angetrieben: "Kommt Leute, schneller, es wird gleich dunkel."

Bis zum Einbruch der Dämmerung ging es an einer sich unruhig auf ihren Kissen hin und her wälzenden Prinzessin auf der Erbse und zotteligen, schwer definierbaren Waldgestalten vorbei bis zu einer großen Lichtung mit Blick auf den Müggelsee.

Nach dieser Einstimmung in die Märchenwelt erreichte die Gruppe – ausgestattet mit Klappstühlen und Taschenlampen, aber von Mücken geplagt – mehrere Stationen, wo das Ensemble sich sehr frei bei Motiven bekannter Märchen wie Rapunzel, Schneewittchen oder Hänsel und Gretel bediente und sie in den Kontext der internationalen Finanzkrisen setzte:

Schneewittchen kann mitten in der Immobilienblase ihre Miete nicht mehr zahlen, ihr sorgloses Partyleben endet abrupt. Hänsel und Gretel sollen beiseite geschafft werden, weil das Geschäft ihrer Eltern nicht mehr gut läuft, die beiden Kinder halten sich aber mit einem neugegründeten Start-up über Wasser.

Die Adaptionen werden an den einzelnen Stationen des Märchenwaldes mit eigens choreographierten wilden Mischungen aus Tanz, Musik (von traditionellen Melodien bis Rock), Monologen auf Deutsch oder Englisch auf die Bühne gebracht.

Nach knapp drei Stunden schieden sich an dem Experiment die Geister: einige Besucher murmelten auf dem langen Rückweg in die Stadt, dass es so langweilig und albern gewesen sei, dass sie sich nur schwer zurückhalten konnten, "Aufhören" zu rufen. Andere waren ganz hingerissen von dem Witz und Einfallsreichtum der liebevoll gestalteten Miniaturszenen und Arrangements. 

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Über Konrad Kögler

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