interfilm-Festival 2012

Mehr als 17.000 Besucher sahen in der vergangenen woche von Dienstag bis Sonntag die 500 Kurzfilme des interfilm-Festivals: ein neuer Besucherrekord!

Unter den Preisträgerfilmen überzeugten vor allem spanische Beiträge: Aquel no era yo von Esteban Crespo ist ein eindringliches, fast halbstündiges Werk über Ärzte, die den Kindersoldaten in einem afrikanischen Bürgerkrieg in die Hände fallen. Der Kurz-Spielfilm zeichnet nach, wie die Kinder von ihrem Anführer infiltriert, aufgeputscht und zu grausamen Morden angestachelt werden. Sehenswert war auch La Manada von Mario Fernandez Alonso über die Mutprobe von Jugendlichen, die sich in einen Gewaltrausch gegen streunende Hunde hineinsteigern, um von der Clique anerkannt zu werden.

Nach diesen düsteren Stoffen war Imparfait du Subjectif von David Grumbach eine willkommene Abwechslung: Der Luxemburger schilderte eine typische Party-Szene, alle unausgesprochenen Gedanken wurden als Untertitel eingeblendet, während der übliche Small-Talk, plumpe Anmachen und subtilere Flirts abliefen.

Ohne Preis ging in Berlin Qual queijo voce quer? leer aus, mit dem die Brasilianerin Cintia Domit Bittar schon auf mehreren internationalen Festivals reüisserte: Ein altes Ehepaar sitzt auf der Couch, eine harmlose Bemerkung zum Einkaufszettel für den Wochenmarkt bringt die Verhältnisse kurz zum Tanzen: Die Frau redet sich ihren ganzen Frust über versprochene, aber nie erlebte Reisen und den eintönigen Alltag von der Seele, fügt sich aber doch resigniert in ihren üblichen Trott und holt den Käse vom Markt.

Unterhaltsam war am Rande des Festivals der Auftritt der Echse mit ihrem Puppenspieler Matthias Hatzius: Im Grünen Salon stellten sie am Freitag die DVD ihres neuen Bühnenprogramms vor. Mit gewohnt galligem Humor plauderte das Reptil über seine Showkarriere und kommentierte die Gastauftritte seiner Kollegen, des Krokodils (einer Fleischerstocher, die kein Fleisch ist), des von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Huhns und der paranoiden Kobra, die überall Stasi-Seilschaften sieht. Mit ihrem anarchischen Konzept haben sie sich den Deutschen Kleinkunstpreis 2013 verdient.

Das interfilm-Festival

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Über Konrad Kögler

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