Max Goldt las am Berliner Ensemble: „Die Chefin verzichtet“

Max Goldt, ehemaliger Kolumnist der Titanic und hochproduktiver Buchautor, bringt sein neuestes Werk auf den Markt. Auch der Titel seiner neuen Textsammlung aus den Jahren 2009-2012, Die Chefin verzichtet auf demonstratives Frieren, irritiert auf den ersten Blick, fügt sich aber gut in die Ahnengalerie von Vorgängern wie Wenn man einen weißen Anzug anhat oder Vom Zauber des seitlich daran Vorbeigehens ein.

Am Berliner Ensemble sind seine Lesungen mittlerweile eine feste Institution, auch bei der Buchpremiere am vergangenen Mittwoch blieb kaum ein Platz im Publikum frei, sehr viele junge Besucher mischten sich darunter. Die Chronisten hatten sich die Mühe gemacht, seine Auftritte nachzuzählen, und konnten seinen 20. Auftritt an Brechts Bühne vermelden.

Mit gewohnt spitzer Feder spießte Goldt die Alltagsbeobachtungen auf: die Verfechterinnen der Frauenquote bekamen ebenso ihr verdientes Fett weg wie die titelgebenden Friseurangestellten, die dick eingepackt vor dem Salon rauchen und dabei demonstrativ frieren.

Während bei den ersten Geschichten ein gelungener Spannungsbogen souverän in die Pointe mündete, wirkte ein langer Monolog aus Satzfetzen und disparaten Beobachtungen nach der Pause doch recht ermüdend. Mit zweieinhalb Stunden, nur unterbrochen von einer kurzen Pause und in der zweiten Hälfte von Hustenbonbons und Wasser unterstützt, bewies Max Goldt eine gute Kondition. Weniger wäre angesichts der sinkenden Qualität im zweiten Teil in diesem Fall mehr gewesen.

Das Buch Die Chefin verzichtet (Rowohlt Verlag)

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