Schillers „Räuber“ am Maxim Gorki: Parodie und Knalleffekte

Dem jungen Friedrich Schiller hätte diese Inszenierung seiner Räuber am Gorki-Theater wahrscheinlich gefallen. Anfang 20 war der spätere Säulenheilige der Weimarer Klassik gerade mal, als er dieses wütende Sturm und Drang-Drama schrieb, das bei seiner Mannheimer Uraufführung vom jugendlichen Publikum begeistert gefeiert wurde. Der Herzog von Württemberg war von der offensichtlichen Kritik an seiner feudalistischen Herrschaft alles andere als amüsiert, Schiller floh vor der Festungshaft aus Stuttgart.

Wie bringt man ein politisches Drama eines angry young man, der zum Klassiker erstarrt ist, einige Jahrhunderte später auf die Bühne? Der Regisseur Antú Romero Nunes streicht kurzerhand das Personal auf die drei zentralen Figuren Franz (Paul Schröder) und Karl Moor (Michael Klammer) sowie Amalie (Aenne Schwarz) zusammen. Er verzichtet auf jedes Bühnenbild und lässt seine drei Schauspieler auf der kahlen Bühne Monologe zwischen 20 und 60 Minuten sprechen, in denen Versatzstücke aus Schillers Dramen-Dialogen mit Parodien auf das Theater, Kommentaren zu René Pollesch-Inszenierungen und Geplauder mit dem Publikum gesampelt wird. Dieser wilde Mix sorgt zwar immer wieder für Lacher, ist aber ohne Textkenntnis von Schillers Drama nicht richtig einzuordnen.

Vor dem Auftritt von Karl Moor erschallen plötzlich laute Schreckschusspistolen, die bei Besucher mit Herzproblemen Schwierigkeiten auslösen könnten. Später springen abrupt junge Schauspielstudenten mitten aus dem Publikum auf und brüllen als Chor ebenfalls Schiller-Dialog-Fetzen.

Der Abend zielt vor allem auf Schulklassen, die sich mit den Dramenklassikern abmühen und am Gorki eine kurzweilige Inszenierung mit Witz und Knalleffekten erleben, die für manche Überraschung gut sind. Das bildungsbürgerliche Staatstheaterpublikum wird es aber mit gemischten Gefühlen erleben, seinen Schiller so auf der Bühne zu sehen. Ihm selbst hätte es aber wahrscheinlich gefallen.

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Über Konrad Kögler

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