Sarah Palin jagt Mond-Nazis, Spanien bewältigt Traumata

An diesem Wochenende stachen zwei Filme aus dem unübersichtlichen Mittelmaß heraus: Im Wettbewerb war ein überraschend starker Beitrag aus Spanien zu sehen, den vorher wohl kaum jemand auf der Rechnung hatte. Antonio Chacarrías gelang mit Dictado ein raffiniert konstruierter Psycho-Thriller. Der junge Lehrer Daniel lebt harmonisch mit seiner Frau María zusammen, bis die Idylle immer wieder von Traumsequenzen und Rückblenden durchbrochen wird. Traumata aus der Kindheit und Schuldfragen werden verhandelt und geschickt in die Dramaturgie eingebaut, die sich um die wahre Identität des Pflegekindes von Daniel und María dreht.

Vor allem Juan Diego Botta überzeugt in der Rolle des Daniel, wie er langsam die Kontrolle über feste Gewissheiten verliert, bis das Familiendrama mit einem, Showdown in den Bergen endet. Schroffe Bergkulissen sind auf dieser Berlinale ohnehin wieder schwer in Mode. 

Einen ganz anderen Ton schlägt Timo Vuorensala mit seinem Panorama Special-Beitrag Iron Sky an: In einer vor Ideen sprühenden Satire befehligt Udo Kier auf der Rückseite des Mondes eine Bastion von Nazis, die 1945 dorthin geflohen sind und für 2018 ihre Rückkehr auf die Idee mit einem Meteorblitzkrieg vorbereiten: Der finnische Regisseur phantasiert ein aberwitziges Paralleluniversum mit Wissenschaftlern, die an überdimensionierten Computern seit Jahrzehnten am Antrieb ihres Raumschiffs Götterdämmerung basteln und blonden Lehrerinnen, die ihren Pimpfen die Werte des Führerkults eintrichert, bis ein schwarzer Astronaut mit Smart-Phone und neuester Raumfahrt-Technik in diese Festung eindringt. Die Entdeckung der Mond-Nazis kommt wie gerufen für den dahin dümpelnden Wahlkampf der US-Präsidentin, einer wunderbaren Parodie der Ikone der Tea-Party, Sarah Palin. Zwei Stunden lang taucht das Publikum in diese Groteske eion, die lustvoll alle Mechanismen von US-Wahlkämpfen auf die Schippe nimmt und mit viel Liebe fürs Detail Science fiction-Klassiker persifliert.

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