Schaubühnen-Streitraum: der marxistische Philosoph Alain Badiou sieht Demokratie als leeren Begriff

Die Schaubühne und die Bundeszentrale für politische Bildung laden regelmäßig zu Streitraum-Matineen, die von der Publizistin Carolin Emcke moderiert werden, an den Lehniner Platz.

Der Andrang war diesmal so groß, dass die Diskussion mit dem provokativen Titel Der demokratische Despotismus auch ins Foyer übertragen wurde und erst mit einer Viertelstunde Verspätung beginnen konnte. Ein prominenter Philosoph aus Paris hatte sich angekündigt: Alain Badiou ging in einer 40minütigen Tour d’Horizon hart mit dem Zustand der westlichen Demokratien ins Gericht.

Ein ungezügelter Kapitalismus teile die Menschen strikt in zwei Gruppen: hier die große Zahl der Mittellosen, die vom Zugang zu Ressourcen und Geld weitgehend abgeschnitten sind, dort die privilegierten Schichten in den wohlhabenden oder aufstrebenden Gesellschaften, die sich abschotten.

Badious Vortrag kreiste um den Begriff des Nomaden als Proletatariat und zugleich Keimzelle einer neuen, gerechteren Weltordnung: darunter fasst er vor allem die Flüchtlinge und Migranten. In seiner fundamentalen, sich mehrfach explizit auf Karl Marx berufenden Kritik an allen Grundlagen unserer Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik wirft er der westlichen Demokratie vor, dass sie nur noch ein Emblem, ein leeres Zeichen sei, da sie die Menschen nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit sortiere und den Schwächeren grundlegende Rechte vorenthalte. Es brauche deshalb einen neuen Internationalismus und die Menschenrechte müssten von Grund auf neu gedacht werden.

Im Gespräch mit der Moderatorin Carolin Emcke, dem Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier und dem Publikum herrschte jedoch Ratlosigkeit, wie sich die hehren Ansprüche von Badious radikaler politischer Philosophie in praktische Politik umsetzen ließe.

Die Streitraum-Reihe an der Schaubühne

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