Maren Eggert glänzt in Orestie-Bearbeitung

In langen Reifröcken, wie sie zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs Mode waren, zanken sich Mutter Christine (Friederike Kemmer) und Tochter Lavinia (Maren Eggert) wegen der Liebeswirren der Familie Mannon, die am Ende alle gemeinsam in den Abgrund reißen. Die Orestie von Aischylos wurde mit Constanze Becker in der Hauptrolle im Jahr 2007 auf der Bühne des Deutschen Theaters von der Kritik gewürdigt und vom Publikum sehr geschätzt. In diesem Herbst brachte Stefan Kimmig das Stück Trauer muss Elektra tragen auf die Bühne des Großen Hauses: Die klassische Tragödie der Atriden-Saga wurde von Eugene O´Neill 1931 in das Neuengland der Sezessionskriege verfrachtet und mit den Erkenntnissen von Sigmund Freuds Psychoanalyse angereichert.

Die Tochter erträgt nicht, dass ihre Mutter die Abwesenheit des Vaters im Krieg, für den sie längst nichts mehr empfindet, für eine leidenschaftliche Affäre mit Adam Brandt (Bernd Moss) nutzt. Sie treibt ihren Bruder Orin (Alexander Khuon) zu einem blutigen Rachefeldzug gegen die eigene Mutter. Maren Eggert zeigt als Hauptfigur den ganzen Facettenreichtum ihres Könnens und hält die Fäden des Knäuels, das sich immer auswegloser verstrickt, in der Hand.

Erstaunlich ist, mit welcher Wut zahlreiche Feuilletons nach der Premiere gegen einen aus ihrer Sicht überflüssigen und verstaubten Abend anschrieben. Eugene O´Neills Drama sollte am besten von allen Spielplänen verschwinden, weil es misslungen sei, lautet der Tenor der Kritikenrundschau auf nachtkritik.

Es stimmt, dass der ganze Abend eher konventionell und ohne große Überraschungen inszeniert ist. Aber die schauspielerischen Leistungen sind einen Besuch wert.

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