Das Känguru Manifest: Marc-Uwe Kling und sein Begleiter

Kaum jemand im Publikum war über dreißig, als Marc-Uwe Kling im Kreuzberger Mehringhoftheater die neuesten Erlebnisse mit seinem Mitbewohner, einem altklugen, kommunistischen Känguru, vorstellte. Das Känguru Manifest knüpft da an, wo die Känguru Chroniken aufhörten: Der zweite Teil seiner Trilogie ist genauso witzig, gespickt mit Anspielungen und Zitaten, voller skurriler Einfälle, jetzt auch in 3D zu erleben, wie der Kleinkünstler immer wieder betont.

Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frage, was Du für Dein Land tun kannst. (Kim Jong Il)

Das Känguru und Marc-Uwe Kling haben ein neues Hobby entdeckt: Sie nehmen bekannte Zitate und legen sie neuen Prominenten in den Mund, zu denen sie tatsächlich besser passen. Diese Sprüche liest Kling aus einem Wust von Karteikarten zur Auflockerung zwischen den Episoden aus seinem Alltag mit dem Beuteltier ab.

You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time. (Karl-Theodor zu Guttenberg)

Marc-Uwe Kling und sein Känguru korrigieren gemeinsam mit roter Farbe die Denk- und Grammatikfehler in den Graffiti der Neonazis und verwickeln sie in aberwitzige Dialoge. In Hertas Eckkneipe überbieten sie sich mit der Inhaberin darin, abgedroschene Sprüche zu klopfen, bis das Etablissement der Gentrifizierung weichen muss.

Mailand oder Madrid? Hauptsache Italien! (Aus Goethes Italienischer Reise)

Wie ein roter Faden zieht sich diesmal der Lebensstil der digitalen Bohéme durch das Programm, die als Selbstausbeuter im Café vor ihren Laptops an Projekten arbeiten. Mit seiner Gitarre widmet Marc-Uwe Kling dieser Spezies auch einige bitterböse Lieder.

Aber auch die politische Bildung kommt an diesem Abend nicht zu kurz: Endlich lernen die Berliner, warum Klaus Wowereit die Rot-Grünen Koalitionsverhandlungen so theatralisch platzen ließ und jetzt lieber mit der CDU flirtet. Das Känguru ist sich sicher, dass es ihm um seinen Nachruhm geht: "Die Leute sollen später sagen können, bei Wowi war nicht alles schlecht. Immerhin hat er die Autobahn gebaut."

Das Mehringhoftheater

Marc-Uwe Kling

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Über Konrad Kögler

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