Gary Shteyngarts Untergangsszenarien

Einer der Höhepunkte des Internationalen Literaturfestivals Berlin war der Auftritt von Gary Shteyngart auf der Großen Bühne des Festspielhauses.

Sigrid Löffler würdigte ihn in ihrer kompetenten Einführung als einen der interessantesten und komischsten Autoren der Gegenwart. Nachdem er gemeinsam mit seinen Eltern 1979 von den USA aus der Sowjetunion freigekauft worden war, widmete er sich in seinen beiden ersten Büchern dem Untergang des Sowjet-Imperiums.

Verfall und Abstieg haben es ihm auch in seinem dritten Buch angetan: Super Sad True Love Story widmet sich dem Defizit des US-Haushalts und den Ängsten einer verunsicherten Nation vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte.

Bemerkenswert ist, dass Shteyngart bereits 2006 mit der Arbeit an seinem satirischen Zukunftsszenario begann und schneller als erwartet von der Realität eingeholt wurde. Die Passagen in seinem Buch über die Kritik der chinesischen Zentralbank, dass es mit dem US-Schuldenberg so nicht weitergehen könne, erinnern sehr an tatsächliche Medienberichte aus diesem Krisensommer, als das Buch längst veröffentlicht war und bereits für Furore sorgte.

Etwas unglücklich gewählt waren allerdings die Textausschnitte, die bei dieser Autorenlesung vorgetragen wurden. Darin kam der besondere Reiz des Buches nicht gut zur Geltung.  

Das Internationale Literaturfestival Berlin

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