Jelineks Winterreise: Eindringliche Spielzeiteröffnung

Mit sehr schwerer Kost konfrontierte das Deutsche Theater sein Publikum
zum Auftakt der neuen Spielzeit: Drei Stunden lang deklamieren fünf
Schauspielerinnen die bedruckenden Text-Wüsten aus Elfriede Jelineks
jüngstem Werk Winterreise. Die einzigen fröhlichen Kontrapunkte sind
ihre Sommerkleider und die Blumenwiese, über die sie spazieren.

Wie bei Jelinek mittlerweile üblich, gibt es keine klaren Rollen oder einen roten Handlungsfaden. Die schauspielerinnen tragen abwechselnd einen Teil der wütenden Monologe vor. Die Kolleginnen verletzten sich im Hintergrund selbst mit Messern oder Scheren und quälen sich am Klavier durch Franz Schuberts titelgebenden Liederzyklus. Diese Motive aus Jelineks Biographie kennt man bereits aus ihrem Roman Die Klavierspielerin und der Haneke-Verfilmung mit Isabelle Huppert.

Auch sonst kommt einem vieles bekannt vor: Jelinek leidet erstens an sich selbst, zweitens an ihrer dominanten Mutter, drittens am demenzen Vater, viertens an Österreich und fünftens an der ganzen Welt. Die sprachgewaltigsten Passagen widmen sich wieder mal der Abrechnung mit Österreich. Vom Fall Kampusch zeigt sie Linien der Verachtun bis zum Massentourismus und der Zerstörung der alpinen Landschaften.

Das Deutsche Theater Berlin

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