Anna Karenina am Gorki: erst Nummernrevue, dann Schwere

Einen Wälzer von mehr als 1000 Seiten zu lesen, erfordert schon einiges an Durchhaltevermögen. Noch größer ist die Herausforderung, aus einem Roman wie "Anna Karenina" einen interessanten Theaterabend zu machen. Da ist es unerlässlich, Schneisen zu schlagen und stark zu kürzen.  

Am Berliner Maxim Gorki Theater gingen in der Textfassung des Intendanten Armin Petras und des Regisseurs Jan Bosse leider viele wichtige Stränge von Leo Tolstois epischem Gesellschaftspanorama und seinen Reflexionen über das vorrevolutionäre russische Zarenreich verloren.

Geblieben ist ein Abend über die Sehnsucht nach und das Scheitern von Liebe. Auf der Setzkasten-Bühne mühen sich die Figuren ab, ihr Glück zu finden. Vor allem über der letzten Stunde nach der Pause liegt eine bleierne Schwere, als die Titelfigur Anna Karenina erkennt, dass nach der Trennung von ihrem Mann auch der Liebhaber Wronski nicht das erhoffte stabile Glück bringt.

Vor der Pause lebt das Stück vor allem von seinen beiden Stars: Fritzi Haberlandt als Anna Karenina und Milan Peschel als Wronski bieten eine Nummernrevue voller Kabinettstückchen ihres schauspielerischen Könnens. Das ist unterhaltsam, ansonsten bleibt einiges auf der Strecke.

Das Maxim Gorki Theater: www.Gorki.de

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