Briefs: The Second Coming – australisches Boylesque-Theater im Tipi am Kanzleramt

Manche Berliner Theatermacher könnten sich in ihrer Ehre gekränkt fühlen, aber sie müssen zugeben: die anarchischste und frivolste Inszenierung, die derzeit in der Stadt zu erleben ist, wurde aus Brisbane/Australien importiert.

Die sechs Männer der Gruppe Briefs haben es sich auf die Fahnen geschrieben, die Kunstgattungen Vaudeville und Burlesque wiederzubeleben. In ihrer sehr individuellen Herangehensweise lassen sie Dragqueens auf den Teenie-Schwarm Louis Biggs treffen: dabei kommt eine rasant-artistische Boylesque heraus, wie es das gastgebende tipi am Kanzleramt auf seiner Webseite prägnant zusammenfasst.

Die artistischen Einlagen zeugen von akrobatischer Eleganz und Körperbeherrschung, die oft tatsächlich nur mit Briefs oder vergleichbaren Textilien bekleideten Jungs und Männer wirbeln durch die Luft. Ihr Humor ist sicher nicht jedermanns Sache. Gelungene kleine Miniaturen, die Lady Gaga, Marilyn Monroe oder die Eröffnungsszene des Kubrick-Klassikers 2001: Odyssee im Weltraum imitieren, wechseln sich mit derben Einlagen ab. Die auf der Webseite angekündigte Lust an der Grenzüberschreitung führt dazu, dass die Inszenierung The second coming teilweise vom Lasziven ins allzu Platte abdriftet, wenn z.B. ein Zuschauer eine Bananenschale aufgesetzt bekommt oder manche Nummern drastisch überzeichnet sind, getreu dem Motto ihres Facebook-Auftritts: Briefs: all Male, all Vaudeville, all Trash.

An diesem Abend reichte aber auch schon ein harmloser Luftballon, der von der Bühne weggestupst wurde, um eine Gruppe fünf spätpubertärer Mädchen in der ersten Reihe zum nächsten hysterischen Kreischanfall zu bringen.

Die Australier gaben ihr Berlin-Debüt bereits im März 2014 und gastieren mit ihrem aktuellen Programm noch bis zum 9. November 2014.

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Über Konrad Kögler

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